„Am Mute hängt der Erfolg. Und dem Fluss zu folgen heißt, den Weg des Lebens im Wandel der Landschaften zu verstehen.“
— Theodor Fontane
Die Magie des Flusslaufens: Wenn ein langer Lauf zum Gesamterlebnis wird
Flusslaufen – das bedeutet für mich nicht einfach nur stumpfes Kilometerfressen . Es ist eine ganz eigene Philosophie der Fortbewegung. Man sucht den Ursprung, spürt dem Werden eines Gewässers nach und begleitet seinen Weg durch Landschaften, Dörfer und Kulturräume. Mit meinem Mann für alle Fälle, dem legendären und einzigartigen Flo vom Morgenspaziergang lässt sich solch ein Projekt schlichtweg mit der ganz besonderen, unnachahmlichen Note umsetzen.
Aus einem reinen sportlichen Ereignis wird durch die spontanen Begegnungen, die Verpflegungspausen an unkonventionellen Orten und das gemeinsame Lachen ein unwiderstehliches Gesamtpaket. Was wir auf den 72,5 Kilometern zwischen der Quelle und Georgensgmünd kulinarisch und menschlich erlebt haben, liest sich wie ein fränkisches Freiluft-Drehbuch: Eis und Steaks aus dem Automaten in Wassermungenau, feine türkische Süßigkeiten und ein heißer Kaffee in Windsbach, ein schnelles Bier an der historischen Pflugsmühle, ein LKW ohne ABS im eigentlich geschlossenen Supermarkt in Lichtenau (inklusive fränkischer Höflichkeit in Reinkultur – er meinte es garantiert nicht böse, klang aber wunderbar patzig!) sowie ein herzhaftes Bratwurstgehäckbrot mit Bier und Schnaps im traditionsreichen Spalt. Ja, genau so wird aus einer einfachen Laufstrecke ein unvergessliches Abenteuer!





Verlauf & Ursprung: Die Fränkische Rezat entspringt auf der Fränkischen Höhe bei Oberdachstetten auf rund 452 m ü. N.N. Sie durchfließt auf einer Länge von ca. 77 km die Landkreise Ansbach und Roth sowie die kreisfreie Stadt Ansbach.
Zusammenfluss zur Rednitz: Bei Georgensgmünd vereinigt sich die Fränkische Rezat mit der von Süden kommenden Schwäbischen Rezat zur Rednitz, die schließlich in Fürth zusammen mit der Pegnitz die Regnitz bildet. Sie ist hydrografisch der Hauptoberlauf des Rednitz-Regnitz-Flusssystems.
Der Weg von der Quelle: Zwischen Bahngleisen, Asphalt und Asphalt-Tristesse
Unsere Reise begann mit der Ankunft in Oberdachstetten bei Ansbach. Die Rezatquelle selbst liegt etwas versteckt, aber erfreulicherweise gut beschildert und einfach auffindbar direkt neben den Bahngleisen der Hauptstrecke Nürnberg–Würzburg. Über die optische Schönheit dieser Quelle braucht man sicherlich kein langes Wort zu verlieren – ein romantisch sprudelndes Waldidyll sieht gewiss anders aus. Doch sie erfüllt ihren Zweck, markiert den klaren Nullpunkt unserer Tagesetappe und entlässt uns mit frohem Mut auf den langen Weg gen Osten.
Die Strecke war über weiteste Abschnitte sehr prägnant von Bahngleisen, Kreisstraßen und Bundesstraßen begleitet. Das war landschaftlich streckenweise wenig idyllisch und fürs Auge sicherlich nicht immer eine Augenweide. Aber es hilft alles nichts: Der Fluss fließt nun einmal dort, wo das Gelände ihm den Weg bereitet, und die Infrastruktur der Moderne hat sich historisch genau an diesen flachen Flusstälern orientiert. Im direkten Vergleich dazu erscheint die Schwäbische Rezat aus der reinen Läufer-Perspektive deutlich naturbelassener, grüner und schöner zu laufen!
Industrie- & Wassergeschichte: Das Rezat-Tal bildete über Jahrhunderte eine wichtige Lebensader für das markgräfliche Land. Zahlreiche historische Wassermühlen nutzten das mäßige Gefälle des Flusses zum Mahlen von Getreide sowie zum Antrieb von Sägewerken.
Markgrafenstadt Ansbach: Mit der barocken Residenz der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach durchfließt die Rezat das historische Herz der Region. Der Fluss verläuft dort heute teils in ausgebauten, hochwassergeschützten Rinnen.




Parallele Schienen- & Straßenführung: Flusstäler bieten von Natur aus gleichmäßige Steigungsverhältnisse. Bereits im 19. Jahrhundert nutzte die königlich bayerische Staatseisenbahn das Tal der Fränkischen Rezat für den Trassenbau der Ludwig-Süd-Nord-Bahn sowie der Bahnstrecke Nürnberg–Crailsheim.
Spannungsverhältnis Natur & Infrastruktur: Der Ausbau von Fernstraßen und Bahnverbindungen prägt die Uferlandschaft nachhaltig. Für Sportler bedeutet dies zwar eine logistisch hervorragende ÖPNV-Erreichbarkeit, jedoch streckenweise auch Einschränkungen des Naturerlebnisses durch Lärm und Versiegelung.
Sportliches Fazit: Formtest vor dem JUNUT & Ausblick
Der Lauf selber? So kurz vor dem bevorstehenden JUNUT (Jura-Steig Nonstop Ultra Trail) stimmte die körperliche Form auf den Punkt. Die 72 Kilometer von Oberdachstetten nach Georgensgmünd liefen absolut ohne Kampf, flüssig und ohne tiefe Krisen durch. Im Zweifelsfall wären die Kilometer ohne die vielen genussvollen Einkehr-Pausen und mit einem leicht höheren Grundtempo machbar gewesen – dann allerdings im reinen Wettkampfmodus. Als langer Grundlagen-Trainingslauf mit hohem Erlebnisfaktor war das gewählte Tempo jedoch goldrichtig.
Euer Thorsten








Etymologie des Namens „Rezat“: Der Name stammt vermutlich aus dem Indogermanischen oder Keltischen (*Radantia*) und bedeutet sinngemäß „die Rinnende“ oder „die Schnellfließende“.
Lage an der Europäischen Hauptwasserscheide: Die Quellregion auf der Fränkischen Höhe liegt in unmittelbarer Nähe zur Europäischen Hauptwasserscheide. Während die Rezat über Rednitz, Regnitz, Main und Rhein in die Nordsee entwässert, fließen wenige Kilometer südlich und westlich gelegene Bäche über die Altmühl in die Donau und somit ins Schwarze Meer.
📌 Flusslaufen: Dieser Beitrag ist Teil des Projekts Flusslaufen – Laufend die Welt entdecken. Eine Gesamtübersicht aller „Reisen“ findest du auf der zentralen Seite: ☛ Flusslaufen: Von der Quelle bis zur Mündung
📌 Morgenspaziergang: Dieser Beitrag ist Teil der vielfältigen Aktivitäten rund um den Morgenspaziergang. Eine Gesamtübersicht aller unserer Ausflüge und Touren findest du hier: ☛ Morgenspaziergang








[…] nach Georgensgmünd! Genau dort, wo die Schwäbische Rezat auf ihre etwas längere Schwester, die Fränkische Rezat, trifft, machen die beiden Ernst. Statt als gemütliche Plauderbäche weiterzufließen, fusionieren […]