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Im Woid – über das Dach des Bayerwalds

Auf einen Blick

  • Datum: Freitag, 16. Juli bis Sonntag, 19. Juli 2021
  • Region: Bayerischer Wald (Lamer Winkel, Arberland & Kaitersberg)
  • Highlights: Zwercheck, Großer & Kleiner Osser, Großer Arber, Kleiner Arbersee, Rauchröhren & Kaitersberg
  • Begleitung: Mareike, Hansi, Biene, Flo & Christian
  • Charakter: Abwechslungsreiches Multi-Stage-Trail-Wochenende mit fordernden Höhenmetern, technischem Felsgelände, Grenzerfahrungen und bester Hütengaudi


Wie dein grüngoldnen Augen funkeln,
Wald, du moosiger Träumer!
Wie deine Gedanken dunkeln,
Einsiedel, schwer von Leben,
Saftseurzender Tagesträumer!


Über der Wipfel Hin- und Wiederschweben
Wies Atem holt und voller wogt und braust
Und weiter zieht
und stille wird
und saust.


Über der Wipfel Hin- und Wiederschweben
Hoch droben steht ein ernster Ton,
Dem lauschten tausend Jahre schon
Und werden tausend Jahre lauschen
Und immer dieses starke, donnerdunkle
Rauschen.

"Im Wald" - Peter Hille

Die Vorgeschichte: Wenn Unwetter Pläne durchkreuzen

Urlaub ist beantragt und die Planung für das Wochenende im Alpbachtal in Tirol steht eigentlich felsenfest. Mit vier Freunden, unter anderem den Jungs vom Morgenspaziergang, und meiner Liebsten Mareike soll es ein wunderbares Wochenende in den Bergen werden – übernachten auf einer einfachen Hütte ohne warmes Wasser, die wir ganz für uns alleine mieten konnten. Freitag eine kleine Runde, Samstag eine 10-Gipfel-Tour, Sonntag ein lockeres Läufchen. Seit einem Jahr war ich nicht mehr in den Bergen und vermisse sie sehr.

Dumm nur, wenn das Wetter absolut nicht mitspielen will. Starker Niederschlag und Unwetter plagen die Alpenregion seit Tagen, und die Aussichten sind düster. Erst sagt ein Teilnehmer ab, am Mittwochabend zwei weitere. Was nun? Für Mareike und mich steht fest: Wir fahren weg, um den Urlaub zu nutzen. Die Berge sind bei diesem Wetter kein Spielplatz, weshalb ich den Vorschlag auf den Tisch bringe, in den „Woid“ zu fahren. Erstaunlicherweise bin ich der Einzige in der Laufrunde, der im Bayerischen Wald schon trailig unterwegs war. Binnen 12 Stunden stellen wir eine neue Planung auf: Mareike übernimmt die Unterkunftssuche in Lam, ich die Tourenplanung. Die Prämisse: Kernstücke definieren, Ausstiegsmöglichkeiten einbauen (damit Biene mitlaufen kann) und Einkehr-Spaß einplanen! Am Freitag treten wir zu fünft die Reise an: Hansi, Biene, Flo, Mareike und ich.

Gasthof Pension Kirchenwirt mit blauer Fassade, blumengeschmückten Balkonen und Außenbestuhlung
Homebase für das Wochenende in Lam

Etappe 1 (Freitag): Grenzlauf zum Matterhorn des Bayerischen Waldes

Freitag muss die Tour etwas kürzer sein, weil Mareike und ich erst gegen 8:30 Uhr Flo in Schwabach einsammeln. Vor Ort in Lam gehen Flo und ich direkt auf die Strecke, während Mareike später den Check-in erledigt. Ärgerlich: Meine teuren Leki-Stöcke kommen kaputt aus dem Beutel, da die Schnur gerissen ist. Also nehme ich das Ersatzpaar, das eigentlich für Mareike gedacht war und mich schon beim TAR, MIUT und 100 Miles of Istria begleitet hat.

Die Sonne lacht und die Stimmung ist genial! Kernstück heute ist der Grenzsteig zwischen Deutschland und Tschechien, dem Zwercheck und dem Großen Osser. Über Lohberg arbeiten wir uns zum Zwercheck vor – einfache Waldwege durch grüne Landschaft zum Aufwärmen. Im Aufstieg vergessen wir rechtzeitig Wasser nachzufüllen, weshalb Flo an einer winzigen Quelle versucht, seine Softflask zu füllen. Der Aufstieg über den Wurzelweg von der Scheiben hoch zum Zwercheck läuft erstaunlich entspannt. Ich kenne diesen Abschnitt bereits bestens vom UTLW (Ultra Trail Lamer Winkel) – und dort hat er sich immer quälend hart angefühlt…

Metallene Hinweistafel mit Höhenprofil zur 12 Tausender Tour
Solch eine Tafel lässt einen immer auf dumme Ideen kommen – und auf zwei Teile können wir es auch umsetzen

📌 Infobox: Das Zwercheck (1.333 m) & der verblockte Grenzsteig

  • Geografie & Grenzkamm: Das Zwercheck (tschechisch Svaroh) ist ein bewaldeter, teils verblockter Gipfel auf dem Grenzkamm zwischen Deutschland (Bayern) und Tschechien (Böhmen), südöstlich des Großen Ossers gelegen.
  • Der Grenzsteig: Der Abschnitt vom Zwercheck entlang des historischen Grenzverlaufs gehört zu den eindrucksvollsten und ruhigsten Pfaden der Region. Auf knapp 7 Kilometern schlängelt sich ein schmaler, technisch äußerst verblockter Singletrail direkt an den teils historischen Grenzsteinen entlang. Der Pfad fordert mit Wurzeln, Granitblöcken und ständigem leichten Auf und Ab die volle Konzentration und Schrittpräzision.
  • Panoramen & Naturkulisse: Während die Aufstiege (etwa über die Scheiben von Lohberg aus) über moosige Fichtenwälder verlaufen, bietet die Kamm-Passage am Zwercheck immer wieder freie, spektakuläre Tiefblicke sowohl ins bayerische Lamer Winkel als auch weit hinein in die unberührten Wälder des tschechischen Böhmerwalds.

Zwei lächelnde Trailrunner machen ein Selfie im Freien mit der Ortschaft Lam im Hintergrund
Die Stimmung: Genial

Oben angekommen breitet sich der völlig verblockte Steig direkt vor uns aus. Knapp 7 km legen wir in 65 Minuten zurück. Im leichten Auf und Ab führt der alte Grenzverlauf an den Steinen entlang bis zum Gipfelkreuz des Großen Ossers. Auf der Terrasse der Osserschutzhütte empfängt uns Mareike, die vom Sattelparkplatz aufgestiegen ist. Bei Weizenbier und Schnaps genießen wir das Leben mit einer Wandergruppe aus Sachsen, die Flo wie gewohnt sofort in ein Gespräch verwickelt hat.

Weiter geht es hinauf zum Kleinen Osser und seinem Kreuz, das sich fast mehr nach einem richtigen Berg anfühlt als der Große. Über die immer wieder schöne Osserwiese starten wir in den langen Downhill nach Lam. Wir rennen abwärts, springen über Steine, lachen und treiben die freundlich grüßenden Wanderer an den Wegesrand. Bei der kleinen Kirche Maria Hilf treffen wir auf Biene und Hansi. Nach einer herzlichen Umarmung pflücken wir Blumen für Mareike und lassen den Tag ungeduscht mit zwei Weizengläsern vor der Unterkunft am Marktplatz ausklingen.

Eine Hand hält eine blaue Softflask an ein Rinnsal an Felsen, während daneben im Gras ein kleiner brauner Frosch sitzt
Wassser muss her – und die Fauna schaut zu

📌 Infobox: Die Fels-Zwillinge – Großer Osser (1.293 m) & Kleiner Osser (1.266 m)

  • Geografie & Grenzverlauf: Die beiden markanten Osser-Gipfel thronen als alpine Felsformationen im Künischen Gebirge direkt an der deutsch-tschechischen Grenze über dem Lamer Winkel. Wegen ihrer spitzen, Pyramiden-ähnlichen Silhouetten wird der Osser in der Region auch stolz als das „Matterhorn des Bayerischen Waldes“ bezeichnet.
  • Gipfel-Romantik & Hütten-Einkehr: Auf dem Felssporn des Großen Ossers steht das traditionsreiche Osserschutzhaus der Sektion Lamer Winkel, wo man direkt an der Staatsgrenze mit Panoramablick einkehren kann. Während der Große Osser den belebten Hauptgipfel bildet, wirkt das spitze Felskreuz des Kleinen Ossers felsiger, wilder und kompakter.
  • Kult-Revier & UTLW-Terrain: Die Osser-Passagen sind das unbestrittene Herzstück des legendären Ultra Trail Lamer Winkel (UTLW). Der lange, technisch fordernde Downhill über die Osserwiese und den steil abfallenden Fels- und Wurzelsteig hinab Richtung Maria Hilf und Lam gilt unter Trailrunnern als absolut spektakuläres Highlight.

📌 Infobox: Lam & Die Wallfahrtskirche Maria Hilf

  • Das Markt-Juwel Lam: Der malerische Luftkurort Lam liegt zentral im Lamer Winkel, umrahmt von der imposanten Bergkulisse aus Arber, Osser und Kaitersberg. Für Outdoor-Begeisterte dient die Marktgemeinde als idealer Basislager-Stützpunkt für Trails, Wanderungen und Ausflüge in den Bayerischen Wald.
  • Wallfahrtskirche Maria Hilf: Die kleine, idyllische Wallfahrtskirche thront leicht oberhalb von Lam an den Nordhängen des Höhenzugs. Sie wurde im 18. Jahrhundert errichtet und ist über einen traditionellen Kreuzweg erreichbar.
  • Trailrunning-Highlight: Für Läufer und Wanderer ist die Kapelle Maria Hilf eine markante Wegmarke: Sie markiert das finale Ende des langen, technisch fordernden Downhills vom Großen und Kleinen Osser – der perfekte Ort, um nach den steilen Höhenmetern kurz durchzuschnaufen, bevor man ins Ortszentrum ausläuft.

Thorsten, Mareike, Flo und Biene sitzen auf der Terrasse des Kirchenwirts in Lam am Marktplatz.
Abendausklang

Etappe 2 (Samstag): Königsetappe über das Arber-Massiv

Der Samstag begrüßt uns mit echtem Sauwetter: Regen, Wind, Nebel und kühle Temperaturen auf den Freiflächen. Mareike fährt Biene zum Eck, damit sie von dort aus die Traverse Eck–Großer Arber mit uns laufen kann.

Christian, Hansi und Flo stehen in Trailrunningausrüstung in Lam. Mareike und Biene warten im Hintergrund.
Auf, auf geht`s

Mental ist dieser Tag eine harte Kiste. Man kann dem Matsch ausweichen oder mitten durch laufen (ich bevorzuge Letzteres). Biene läuft im Sport-Bra, Hansi nur im Shirt, und die Wanderer schauen uns entsetzt an – ich bin nicht der Verrückte in der Truppe😉 Für den Notfall haben wir aber warme Jacken und Rettungsdecken dabei. Der Weg über die Gipfel zum Großen Arber ist eine Traumtour: fordernd, ständig im Auf und Ab über unebenes Terrain. Diese Strecken protzen zwar nicht mit riesigen Höhenmetern, kosten aber genauso viel Kraft wie die Alpen.

📌 Infobox: Die Gipfel-Könige – Großer Arber (1.456 m) & Kleiner Arber (1.384 m)

  • Flora, Fauna & Naturschutz: Die Arber-Region beherbergt seltene eiszeitliche Reliktpflanzen an den Arberseewänden sowie streng geschützte Tiere wie das Auerhuhn und den Luchs. Zu den geologischen Juwelen gehören der Große und der Kleine Arbersee – zwei eiszeitliche Karseen (mit menschlichen Eingriffen!), wobei der Kleine Arbersee mit seinen einzigartigen, frei im Wasser treibenden „schwimmenden Inseln“ unter absolutem Naturschutz steht.
  • Geografie & Höchster Punkt: Der Große Arber ist der „König des Bayerischen Waldes“ und die höchste Erhebung des gesamten Böhmerwald-Massivs. Seine markante Gipfelhochfläche wird von den zwei weithin sichtbaren Radarkuppeln der Bundeswehr und den Felsriegeln des Großen und Kleinen Seeriegels geprägt. Der benachbarte Kleine Arber besticht durch sein felsiges Gipfelkreuz und die darunter gelegene Chamer Hütte.
  • Gelände & Trail-Charakter: Das Arber-Massiv bietet extrem vielseitiges, teils hochalpines Terrain. Von fordernden Wurzel- und Felsanstiegen auf dem Goldsteig (dazu gab es auch ein „kleines“ Projekt 😉) über den steilen, technisch anspruchsvollen Seewandsteig am Großen Arbersee bis hin zu rasanten, flüssig laufbaren Schotter-Downhills deckt das Massiv das gesamte Spektrum für Bergwanderer und Ultratrailer ab.

Hansi und Biene laufen über völlig vermatschte und vernässte Waldwege
keine Angst Hansi – dreckig werden wir alle

Die berüchtigte 8-Tausender-Tour über den Hauptkamm des Bayerischen Waldes gehört zum Beeindruckendsten und Fordernden, was das ostbayerische Mittelgebirge zu bieten hat. Wer die Traverse von der Passhöhe Eck (843 m) bis hinauf zur Gipfelpyramide des Großen Arbers (1.456 m) unter die Laufschuhe nimmt, taucht tief ein in eine Landschaft von ursprünglicher, beinahe wilder Poesie oder um es mit den Worten meines liebsten Dichters zu sagen:

"Die Natur versteht gar keinen Spaß, sie ist immer wahr, immer ernst, immer strenge, sie hat immer recht, und die Fehler und Irrtümer sind immer des Menschen."
Johann Wolfgang von Goethe

Große, markante Felsformation des Ödriegels im dichten Nebel
Der Ödriegel

Auf den rund 16 Kilometern dieser Kammüberschreitung reiht sich Gipfel an Gipfel: Mühelos pflückt man die Tausender wie Perlen auf einer Schnur – vom sanften Auftakt am Ödriegel (1.156 m) über das markante Schwarzecker Kreuz (1.238 m) und die steinige Hochfläche des Waldschmids bis hin zum felsigen Zacken des Kleinen Arbers (1.384 m). Doch hinter der arithmetischen Faszination der acht Gipfel verbirgt sich ein knallharter, technisch kompromissloser Pfad – Trailrunning pur!

Läufer mit gelbem Regenponcho und Trekkingstöcken blickt auf einem feuchten Holzbohlenweg im dichten Nebel zurück
Bohlenweg über ein sumpfiges Stück

Der Weg folgt weitgehend dem geschützten Goldsteig und zwingt Läufer wie Wanderer in ein ständiges, kräftezehrendes Rhythmusspiel: Kaum hat man ein Gipfelkreuz erreicht, verliert man in steilen, nass-rutschigen Senken sogleich wieder die hart erkämpften Höhenmeter, nur um sich direkt im nächsten verblockten Uphill wieder nach oben zu kämpfen. Hier zeigt die Natur ihr raues, ungezähmtes Gesicht. Knorrige, vom Wind gezeichnete Bergfichten säumen den Steig, während moosüberzogene Granitblockmeere und feuchte Wurzelfelder höchste Konzentration bei jedem Schritt verlangen.

Vier Trailrunner machen eine Rast auf den Felsen des nebligen Gipfels
Am Schwarzecker Kreuz

Über glitschige Bohlenwege querst du einsame, feuchte Hochmoore, deren Vegetation direkt aus der Eiszeit zu stammen scheint. In diesen Höhenlagen herrscht ein raues Mikroklima: Wo eben noch feuchter Nebel durch die Äste zieht und ein kühler Wind über die Freiflächen pfeift, reißt plötzlich die Wolkendecke auf und gibt spektakuläre Tiefblicke frei.

Drei lachende Trailrunner laufen bei dichtem Nebel auf einem Schotterweg bergab
Abwärts zum Eisensteiner Haus

Gleichzeitig verlangt dieser Kammabschnitt ein hohes Maß an Respekt und Umweltbewusstsein, da man sich stellenweise durch streng geschützte Naturschutzgebiete bewegt, die den letzten Rückzugsraum für seltene Tierarten wie das bedrohte Auerhuhn bieten. Wer sich auf diese fordernde, ehrliche Bergkette einlässt, erlebt keinen lieblichen Ausflugsweg, sondern ein Naturabenteuer voller Schweiß, Pfützen, vernebelter Stille und gewaltiger Höhenzüge – ein echter Einstellungs- und Konditionstest auf dem Weg zum Dach des Bayerwalds!

An der Chamer Hütte unterhalb des Kleinen Arbers stellen wir fest, dass wir eine Stunde länger gebraucht haben als geplant. Nach einer Stärkung im Eisensteiner Haus auf der Gipfelhochfläche des Großen Arbers laufen alle weiter hinab zum mystischen Kleinen Arbersee. Da die anschließenden Kilometer bis Lam eher Füllkilometer wären, beschließen wir am See den Laufabbruch. Auf dem breiten, schnellen Schotterweg im Downhill mache ich den Oberkörper frei und renne flüssig nach unten. Wir umrunden den See, treffen Mareike am Wanderparkplatz Ebsäge und beenden die Etappe. Ein riesiger Dank geht auch an Christian Bley-Unger, der am frühen Morgen eine Stunde angereist ist, um den Tag mit uns zu verbringen!

Thorsten im schnellen Downhill auf einem Trail
Der Downhill ruft

📌 Infobox: Das Naturjuwel – Der Kleine Arbersee (918 m) & seine Schwimmenden Inseln

  • Geologie & Entstehung: Der Kleine Arbersee ist ein klassischer Karsee, der während der letzten Eiszeit durch die abtragende Wirkung von Talgletschern entstand. Nach dem Abschmelzen des Eises blieb in der muldenförmigen Vertiefung (dem Kar) unterhalb der steilen Arberseewand der tiefblaue See zurück.
  • Die Schwimmenden Inseln (Natürliche Besonderheit): Eine botanische Seltenheit sind die drei dichten, mit Moorvegetation, Fichten und Sträuchern bewachsenen Schwingrasen-Inseln. Sie besitzen keinen festen Grund, sondern treiben frei auf dem Wasser. Durch schwankende Wasserstände und Winddrücke verändern sie im Laufe der Zeit ganz langsam ihre Position auf dem See.
  • Strenges Naturschutzgebiet: Seit 1959 steht der See und der angrenzende Karwald unter strengem Naturschutz. Um die hochsensible Pflanzen- und Tierwelt (wie seltene Moosarten, Libellen und Wasservögel) zu bewahren, gilt ein absolutes Schutzgebot: Das Betreten der schwimmenden Inseln, das Schwimmen, das Befahren mit Booten oder Stand-Up-Paddles sowie das Verlassen der markierten Pfade sind strikt untersagt.
  • Die Seehütte (Einkehr & Rast): Direkt am Ostufer liegt die malerische Seehütte Kleiner Arbersee. Mit ihrer großzügigen Freiterrasse und direktem Blick über das Wasser ist sie eine beliebte Anlaufstelle für Bergwanderer und Trailrunner. Hier lässt sich eine kulinarische Pause mit deftiger Brotzeit oder kühlem Getränk inmitten der ruhigen Naturkulisse einlegen.
  • Zugang & Erreichbarkeit:
    • Für Wanderer & Läufer: Der See liegt an idyllischen Wanderwegen und Trailrunning-Routen – etwa im Abstieg direkt vom Großen Arber, über den Ebsäge-Parkplatz oder im Zuge der Traverse vom Eck.
    • Zugang mit dem Auto: Der Kleine Arbersee darf nicht direkt mit dem Pkw angefahren werden! Für den motorisierten Verkehr ist die Zufahrt gesperrt. Wer nicht zu Fuß aufsteigen möchte, kann von Mooshütte aus die kleine Kleine Arbersee-Bahn (einen Bummelzug) nutzen. Der nächstgelegene Wanderparkplatz für den Fußaufstieg befindet sich an der Ebsäge.

Etappe 3 (Sonntag): Kraxelei an den Rauchröhren & Zieleinlauf

Räuber, Felsen und Höhlen: Der kürzeste und leichteste Tag! Hansi, Flo und ich laufen in Lam los und wählen den leichten Aufstieg zum Eck. Biene stellt das zweite Auto im Ziel in Bad Kötzting ab und lässt sich von Mareike zum Eck chauffieren. Der Aufstieg zum Großen Riedelstein ist steil, aber unkompliziert.

Kaitersberg Goldsteig Glastafel
Der Weg ist klar

📌 Infobox: Der Große Riedelstein (1.042 m) – Höchster Punkt des Kaitersbergs

  • Geografie & Lage: Der Große Riedelstein bildet den östlichen Eckpfeiler und gleichzeitig die höchste Erhebung des langgestreckten Kaitersberg-Höhenzugs im Vorderen Bayerischen Wald. Er liegt direkt an der Grenze der Gemeinden Arnbruck (Landkreis Regen) und Bad Kötzting (Landkreis Cham).
  • Das Waldschmidt-Denkmal: Das unverkennbare Wahrzeichen des Gipfels ist ein 13 Meter hoher, monumentaler Steinturm aus Granit. Das 1909 errichtete Denkmal erinnert an den bekannten Bayerwald-Dichter Maximilian Schmidt (genannt „Waldschmidt“), der mit seinen Erzählungen die Region prägte und den Heimatgedanken förderte.
  • Trailrunning- & Anstiegs-Charakter: Der direkte Aufstieg von der Passhöhe Eck zum Riedelstein fordert mit knackiger Steigung auf wurzeligem und felsgemischtem Untergrund. Wer oben steht, hat den technisch anstrengendsten Höhenmeter-Block des Tages hinter sich gebracht. Der Gipfel markiert das Tor zur eigentlichen Gratüberschreitung, von dem aus der Pfad im ständigen Auf und Ab weiter in Richtung der spektakulären Felsformationen führt.

Hansi als Trailrunner steigt zwischen zwei steilen Felswänden eine enge Passage bergauf
Der Weg ist klar…

Über das Kaitersgebirge schlängelt sich nun ein traumhafter Trail. Highlight sind die Rauchröhren, eine beeindruckende Felsformation. Statt sie zu umgehen, klettern und kraxeln wir mitten hindurch, um uns oben auf die Steinplatten zu setzen. Das Wetter klart auf und die Fernsicht ist herrlich. Über Stock und Stein geht es weiter zur Kötztinger Hütte auf ein Weizen und einen Brotzeitteller.

Biene steigt mit einem Lächeln die Rauchröhren hinauf
…auch in den Rauchröhren

📌 Infobox: Naturschutz & Geologie am Großen Riedelstein

  • Geologie & Felsformationen: Der Große Riedelstein besteht wie der gesamte Kaitersberg-Kamm aus widerstandsfähigem Granit und Gneis. Über Jahrtausende bildeten sich durch Verwitterung charakteristische Wollsackformen und steil abfallende Felswände, die den rauen Mittelgebirgscharakter der Region unterstreichen.
  • Sensibler Lebensraum: Die moosigen Fichten- und Buchenmischwälder rund um den Gipfel sowie die angrenzenden Felsbereiche sind geschützte Lebensräume für seltene Pflanzenarten und störungsempfindliche Tiere wie den Sperlingskauz und das Auerhuhn.
  • Verhaltensregeln auf den Trails: Um die empfindliche Fauna und Flora zu schonen, gilt auch am Riedelstein das Gebot der Rücksichtnahme: Das Verlassen der markierten Hauptwanderwege ist zu unterlassen, Abfälle müssen ausnahmslos mitgenommen werden, und auf den Felsköpfen ist auf unnötigen Lärm zu verzichten.

Hansi und Biene als Trailrunner posieren im Nebel neben dem steinernen Waldschmidt-Denkmal auf dem felsigen Gipfel
Auf dem Großen Riedelstein

📌 Infobox: Die Gratpassage vom Riedelstein zu den Rauchröhren

  • Trail-Charakteristik: Direkt nach dem Abstieg vom Denkmal am Großen Riedelstein taucht man in den wahrscheinlich schönsten Abschnitt der Tour ein. Der Singletrail schlingert sich abwechslungsreich, wurzelig und felsig über den schmalen Grat des Kaitersbergs nach Westen.
  • Technischer Anspruch: Der Gratweg verlangt kontinuierlich Trittsicherheit und volle Konzentration. Nasse Granitblöcke und herausstehende Wurzeln machen die Passage besonders bei feuchter Witterung zu einem anspruchsvollen Pflaster, bei trockenem Wetter wäre es dagegen ein flowiger Trail.
  • Panorama & Tiefblicke: Auf dem Weg Richtung Rauchröhren öffnen sich immer wieder natürliche Felsenfenster. Sie bieten fantastische Tiefblicke nach Norden in den Lamer Winkel sowie nach Süden in das weite Zellertal.

Blick von den Rauchröhren aus.
Hier schlängelt sich der Weg durch die Rauchröhren hindurch

📌 Infobox: Der Kaitersberg & Die legendären Rauchröhren

  • Geografie & Höhenzug: Das Kaitersberg-Massiv erstreckt sich als markanter Felsriegel zwischen dem Zellertal und dem Lamer Winkel. Der Kammweg gehört zu den spektakulörsten und aussichtsreichsten Gratwanderungen des gesamten Bayerischen Waldes.
  • Die Rauchröhren (Kletter- & Kraxelparadies): Das absolute Highlight der Überschreitung bildet die bizarre Felsformation der Rauchröhren. Die steil aufragenden Granittürme gelten als bekanntes Klettergebiet. Für Trailrunner und Wanderer führt der Pfad mittendurch: Statt die Felsen zu umgehen, klettert und kraxelt man direkt über die mächtigen Steinplatten und genießt spektakuläre Tiefblicke ins Tal.
  • Mythos & Räuber Heigl: Die Höhlen und Spalten rund um den Kaitersberg boten im 19. Jahrhundert dem legendären Volkshelden und Räuber Michael Heigl aus Höllenstein ein Versteck. Die bekannte „Räuber-Heigl-Höhle“ liegt direkt am Wanderweg unterhalb der Kötztinger Hütte.

Biene und Hansi sitzen auf den Rauchröhren mit Blick auf das Gipfelkreuz.
Auf den Rauchröhren

Nach den kraxelintensiven Passagen an den Rauchröhren windet sich der Pfad über Stock und Stein weiter zur Kötztinger Hütte (1.029 m). Traumhaft gelegen auf dem Gipfelgrat des Kaitersbergs, bietet die bewirtschaftete Hütte der Sektion Kötzting des Deutschen Alpenvereins eine sonnige Panoramaterrasse mit atemberaubendem Blick über das Zellertal. Für müde Ultraläufer- und Wanderbeine ist die Hütte die perfekte Zwischenstation: Bei kühlem Weizen, herzhaften Brotzeittellern und frischem Kuchen lässt sich die absolvierte Felskraxelei bestens Revue passieren, bevor der finale Downhill ansteht.

Hansi und Biene lächeln in die Kamera
Auch euch Beiden vielen lieben Dank für das schöne Wochenende!!!

Exkurs: Bad Kötzting – Tradition, Kneipp-Kurort & Zielhafen

Der Zielort unserer Etappe, Bad Kötzting, bildet den stimmungsvollen Abschluss dieses Trail-Abenteuers. Das staatlich anerkannte Kneippheilbad im Landkreis Cham liegt idyllisch am Fluss Regen und ist weit über die Grenzen des Bayerischen Waldes hinaus für seine lebendigen Traditionen bekannt. Highlight des regionalen Brauchtums ist der jährliche Kötztinger Pfingstritt, eine der größten reitenden Sprachprozessionen Europas. Neben dem schmucken Stadtplatz mit seinen gemütlichen Cafés lädt vor allem der weitläufige, grüne Kurpark direkt an der weißen Regen-Schleife zum Entspannen ein. Genau hier – zwischen schattigen Bäumen und gepflegten Parkwegen – schlägt man nach den steinigen Tiefenmetern vom Kaitersberg auf, lässt die Füße im kühlen Wasser durchatmen und stößt auf das absolvierte Abenteuer an.

Flo lächelt mit einem Bierkrug im Sonnenschein
und dir lieber Flo ein herzliches vergelts Gott


Für den finalen Downhill heißt es „Feuer frei“: Flo und ich legen den Abstieg im 4er-Schnitt zurück – erst steinig, dann wurzelig, schließlich asphaltiert. Im belebten Kurpark von Bad Kötzting schlagen wir bei Mareike auf. Ein rundum geniales Trail-Wochenende geht zu Ende! Vielen lieben Dank euch – ihr habt es so besonders gemacht!

Euer Thorsten

PS: Ein kleines Video von unserem Wochenende könnt ihr euch gerne auf YouTube ansehen😊

Thorsten, Biene, Hansi und Flo lachen in die Kamera auf der Terrasse der Kötztinger Hütte
Schön war die Zeit
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