Über verblockte Kammpfade, einsame Grenzwege und die Suche nach der echten Wildnis des Bayerischen Waldes
„Waldwoge auf Waldwoge rinnen sie dahin, bis sie an den blauen Himmel stoßen. Es ist eine Stille da oben, als hätte die Welt noch gar nicht angefangen zu sprechen.“
— Adalbert Stifter, Der Hochwald
Die Vorgeschichte: Sehnsucht nach echter Wildnis
Vom Gedanken zur Entscheidung: Wenn der Woid nach mehr verlangt
Es gibt Tage, an denen lassen einen bestimmte Orte nicht mehr los. Ich war in diesem Jahr bereits im Bayerischen Wald unterwegs – eine herrliche Tour gemeinsam mit Andy und Phiene auf dem Gläsernen Steig. Wir sind gestiegen, gelaufen, haben die Höhenmeter aufgesaugt und das Leben gefeiert. Doch bei all der Schönheit blieb da tief in mir ein kleines, ungestilltes Gefühl zurück. Mir hatte ein Stück weit das echte, wildere Innere des Bayerischen Waldes gefehlt – diese dichte, schroffe Wildnis, die abseits der touristischen Hauptpfade zwischen moosverhangenen Felsriegeln und alten Grenzsteinen wartet.
Gleichzeitig drückte der Kalender: Ich hatte noch Resturlaub, der dringend abgebaut werden musste, und mein Kopf schrie nach einer kleinen, fokussierten Auszeit. Als ich meiner Partnerin von dem hin und her reifenden Gedanken erzählte, sprach sie mir sofort gut zu. Es brauchte nicht viel Überredungskunst – zwei Tage Urlaub waren rasch eingereicht. Der Plan stand fest: Von Donnerstag bis Samstag würde ich nach Lam fahren und dort mein „Hauptquartier“ aufschlagen.
Das Markt-Juwel Lam: Der malerische Luftkurort Lam liegt zentral im Lamer Winkel, umrahmt von der imposanten Bergkulisse aus Arber, Osser und Kaitersberg. Für Outdoor-Begeisterte dient die Marktgemeinde als idealer Stützpunkt für Trails und Mehrtagestouren.
Wallfahrtskirche Maria Hilf: Die kleine, idyllische Wallfahrtskirche thront leicht oberhalb von Lam an den Nordhängen des Höhenzugs. Sie wurde im 18. Jahrhundert errichtet und bildet für Läufer und Wanderer die markante Zielmarke des steilen, technisch fordernden Downhills vom Großen und Kleinen Osser.
Dramaturgie der Auszeit: Drei Tage, drei Charaktere
Die grobe Struktur der drei Tage reifte schnell im Kopf. Es sollte kein reiner „Erschöpfungslauf“ werden, sondern eine wohlüberlegte Dramaturgie aus Einlaufen, Ausbelasten und Ausklingen:
- Donnerstag (Anreisetag): Eine solide Auftaktrunde direkt nach der Ankunft in Lam, um schon den Wald in mich aufzusaugen.
- Freitag (Königsetappe): Die lange, fordernde Haupttour über den Grenzkamm und „meinem“ Hausberg.
- Samstag (Abreisetag): Eine kurze Abschlussrunde noch vor dem Frühstück, um den Morgen im Wald zu begrüßen, bevor es wieder nach Hause geht.
Die Touren für Tag 1 und Tag 3 waren zügig in Outdooractive geplant und im Kopf abgehakt. Es musste lediglich geklärt werden, ob ich bei einer frühen Anreise am Donnerstag mein Gepäck in der Pension unterstellen konnte, um direkt auf den Trail zu gehen. Das Hotel-Team in Lam reagierte erfreulich unkompliziert und stimmte sofort zu.
Bei der digitalen Routenplanung über Plattformen wie Outdooractive oder Komoot werden Weginformationen aus OpenStreetMap-Daten verarbeitet. In stark zerklüfteten Mittelgebirgslagen (wie den Felsformationen am Osser oder Zwercheck) führen digitale Höhenmodelle (DEM) oft zu leichten Abweichungen gegenüber der realen Barometrie von GPS-Uhren vor Ort. Eine vorausschauende Planung berücksichtigt Reservepuffer bei Zeitfenstern und Akkulaufzeiten.

Das Feintuning der Königsetappe: Wie lang ist lang genug?
Für den Freitag stand eine Herzensangelegenheit felsenfest: Ich wollte unbedingt wieder auf meinen absoluten Lieblingsberg – den Großen Osser. Oben einkehren, die Aussicht genießen, den Wind spüren. Doch da war noch mehr: Auf den Karten hatte ich gesehen, dass sich nördlich des Ossers ein alter, von mir fast vergessen verbleibender Grenzsteig entlang der deutsch-tschechischen Grenze zieht. Im Gegensatz zu der viel begangenen Süd-Passage zwischen Osser und Zwercheck, über die ich auf Laufend-Glücklich.de schon öfter berichtet habe (Im Woid – Über das Dach des Bayerwalds), ist dieser nördliche Pfad deutlich unbekannter, rauer und fast unberührt.
Der erste Plan stand: Vom Zwercheck über den Osser weiter Richtung Norden über den Weißen Riegel und schließlich im Bogen zurück nach Lam.
- Variante A: 33 Kilometer und etwa 1.400 Höhenmeter.
Doch beim Nachgrübeln kamen Zweifel auf: Ist das vielleicht zu kurz? Sitze ich am Nachmittag mit zu viel Leerlauf im Hotel? Wenn ich schon hier bin, möchte ich den Tag auch voll auskosten. Also setzte ich mich noch einmal an die Karten und entwarf eine erweiterte Schleife: Auf dem Hinweg zum Osser sollte zusätzlich noch der Kleines Arbersee umrundet werden.
- Variante B: 42 Kilometer und rund 1.500 Höhenmeter.
Eine kurze Rücksprache mit Andy bestätigte mein Bauchgefühl. Seine Rückmeldung war wie gewohnt kurz und klar: „Guter Plan, mach das genau so!“ Damit war die Entscheidung gefallen.
Geografie & Charakter: Die beiden Osser-Gipfel thronen als markante Felsformationen im Künischen Gebirge direkt an der deutsch-tschechischen Grenze über dem Lamer Winkel. Wegen ihrer spitzen Silhouetten werden sie in der Region stolz als das „Matterhorn des Bayerischen Waldes“ bezeichnet.
Hütten-Romantik: Auf dem Felssporn des Großen Ossers steht das traditionsreiche Osserschutzhaus, während der Kleine Osser felsiger, wilder und kompakter wirkt. Die Pfade um die Gipfel sind fester Bestandteil der regionalen Trailrun-Kultur.
Die Logistik-Frage: Motorrad vs. Schiene
Blieb zuletzt die Frage der An- und Abreise: Wie komme ich am besten nach Lam?
- Option 1 – Motorrad: Aufsteigen, Gas geben, flexibel sein. Zweifellos die schnellere Option für die Anfahrt aus Mittelfranken.
- Option 2 – Zug: Dreimal umsteigen, Fahrpläne im Auge behalten, Hoffen auf die Pünktlichkeit der Bahn.
Trotz der Umstiegshürden entschied ich mich für die Schiene. Ich habe es über die Jahre schätzen gelernt, während einer Zugfahrt abzuschalten: Musik hören, in einem Buch lesen, die Landschaft an sich vorbeiziehen lassen und den Kopf schrittweise auf den Rhythmus der Natur einzustimmen.
Dass die Bahnlogistik auf der Hinreise mit verpassten Anschlüssen und Nervenkitzel mein Geduldsfaden ordentlich auf die Probe stellen sollte, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Und doch lässt sich schon jetzt festhalten: Sowohl die Anreise als auch die spätere Heimreise haben trotz aller fahrplantechnischen Wackler und Unsicherheiten am Ende wunderbar geklappt. Das Abenteuer konnte beginnen!
Tag 1 (Donnerstag): Die Anreise-Odyssee & der wilde Kammeinstieg
Von Schwabach nach Lam: Die Bahn und der Bärwurz-Auftakt
Der Donnerstag stand ganz im Zeichen der Anreise und des ersten spürbaren Höhenmeter-Kontakts. Wer sich in Deutschland dazu entscheidet, die Schiene für einen Trip in die Mittelgebirge zu nutzen, unterschreibt meist auch ein kleines Logistik-Abenteuer. Meine Route war im Detail durchgeplant: Von Schwabach über den Hauptbahnhof Nürnberg, weiter nach Schwandorf, Umstieg nach Cham und schließlich mit der kleinen Regionalbahn direkt hinein nach Lam. Drei Umstiege. Ein Fahrplan, der keine großen Puffer erlaubte.
Schon beim ersten Zug zeigte sich die sprichwörtliche Zuverlässigkeit der Deutschen Bahn. Hätte ich mich auf den ursprünglich vorgesehenen Startzug verlassen, wäre mein gesamtes Zeitfenster für den Tag wie eine Seifenblase geplatzt. Kurzerhand nahm ich eine frühere Verbindung, um die Verspätungs-Kaskade abzufangen. Der echte Nervenkitzel wartete dann im Alex von Schwandorf nach Cham – dem Zug, der eigentlich weiter nach Prag rollt. Ich bat die Schaffnerin aufrichtig, bei den Kollegen in Cham Bescheid zu geben, um den knappen Anschlusszug nach Lam zu sichern. Und tatsächlich: Der Anschlusszug wartete fünf Minuten auf uns! Die Bahn hat an diesem Morgen wahrlich nicht geglänzt, aber die Freundlichkeit des Zugpersonals rettete den Reiseplan.
Sobald man im Abteil sitzt, das Rattern der Schienen spürt und die Landschaft draußen immer grüner und steiler wird, stellt sich diese wunderbare Ruhe ein. Ich nutzte die Stunden zum Lesen, Musikhören und mentalen Ankommen im Woid. In Lam angekommen, galt mein erster Weg dem Edeka im Ort. Das Ziel: Ein wohlverdientes Feierabendbierchen und eine Flasche Bärwurz – meine absolute Lieblings-Spirituose!
Botanische Herkunft: Der Bärwurz (Meum athamanticum) ist eine hochmittelgebirgstypische Doldenpflanze, die vor allem auf den sauren Magerrasen und Hochweiden (Schachten) des Bayerischen Waldes gedeiht.
Geschmack & Herstellung: Für den charakteristischen Schnaps werden nicht die Blätter, sondern die aromatischen, wurzelartigen Rhizome im Herbst ausgegraben, gereinigt und destilliert. Der Geschmack ist extrem würzig, erdig und scharf – wahrlich nicht jedermanns Sache, aber unter Einheimischen und Kennern die unangefochtene Woid-Spezialität zur Verdauung nach deftigen Hütte-Mahlzeiten.
Das Timing hätte nicht besser sein können: Noch vor 11:00 Uhr stand ich an der Rezeption meiner Unterkunft. Das Hotel-Team war unkompliziert, nahm meine Tasche auf. Schnelle Gepäckabgabe, Trail-Rucksack aufsetzen – und hinein in den Wald!

Der Aufstieg über die Einödhöfe zum Goldsteig
Vom Ortskern in Lam ging es auf denkbar einfachen, sanft ansteigenden Wegen hinauf Richtung Einödhöfe. Normalerweise lässt sich an den historischen Höfen idyllisch einkehren, doch an diesem Vormittag zog es mich nach einer kurzen und schnellen Einkehrrast direkt höher hinauf. Der Weg blieb zunächst unkompliziert und gut laufbar.


Siedlungsform der Einöden: Die isoliert an den Berghängen gelegenen Höfe gehen auf mittelalterliche Rodungsperioden zurück. Sie nutzten die sonnenexponierten Lagen oberhalb des feuchtkühlen Talbodens von Lam.
Untergrund & Bodenbeschaffenheit: Geologisch wird der Lamer Winkel vom Moldanubischen Gneis geprägt – einem extrem alten Metamorphgestein. Die Böden sind saure, feuchtigkeitsspendende Braunerden, die Fichten, Tannen und Buchen prächtig gedeihen lassen, aber bei Regen rasch aufweichen.
Unterhalb des Kamms entschied ich mich für eine kleine, bewusste Routenabweichung vom markierten Standard-Wanderweg: Ich verließ den Pfad, wechselte zuerst auf einen geschotterten Forstweg und folgte später einer grünen Rückegasse. Solche Pfade sind eine herrliche Alternative, um abseits der Touristenströme Höhe zu gewinnen (Achtung! Nicht jeder in der Karte vorhandene Weg eignet sich auch problemlos). Nach wenigen Schritten durch das feuchte Grün kam ich kurz nach dem Mühlriegel direkt auf dem Höhenkamm heraus.
Erst hier oben begegneten mir plötzlich viele Wanderer. Man spürt sofort, dass man das Herzstück des Reviers betreten hat: Hier verläuft die Hauptroute des legendären Goldsteigs, die gleichzeitig Teil der berühmten 8-Tausender- bzw. 12-Tausender-Kammüberschreitung ist.

Trailrunning vom Feinsten: Der verblockte Tanz am Schwarzeck
Der Goldsteig auf dem Kammweg ist Trailrunning in seiner reinsten, ehrlichsten Form! Es ist kein Weg, auf dem man starr auf seine Kilometerschnitte schauen darf. Nicht immer einfach zu laufen, keinesfalls durchgehend schnell, aber verpackt in eine spektakuläre Mischung aus sportlicher Herausforderung, rauer Natur, weiten Fernblicken und einem tiefen Flow-Gefühl! Wer diesen Mittelgebirgspfad unterschätzt, wird schnell eines Besserem belehrt.
Besonders fordernd erwies sich der Abschnitt im direkten Auf- und Abstieg rund um das Schwarzeck (1.238 m). Hier weicht der weiche Waldboden schlagartig einer verblockten Granit- und Gneiswelt.
- Gelände & Technik: Große, unregelmäßige Felsstufen, tückische Wurzelteppiche und verblockte Abschnitte verlangen höchste Konzentration bei jedem Schritt. Einmal musste ich die Hände zur Hilfe nehmen, um mich über die Blöcke zu balancieren.
- Das Schwarzecker Gipfelkreuz: Das mächtige, wunderschön gearbeitete Gipfelkreuz entschädigt für jeden Tropfen Schweiß. Der Panoramablick über das Meer aus Baumkronen im Lamer Winkel war im warmen Herbstlicht einfach atemberaubend.
Unterwegs holte ich etliche Wanderer ein. Bei manchen Gruppen fragte ich mich ehrlich, ob sie den immensen Zeitaufwand auf dem verblockten Gebirgskamm nicht kräftig unterschätzt hatten. Wenn die Wege technischer werden, schmelzen die Geschwindigkeiten dahin. Mein wichtiger Rat an alle Trailrunner und Wanderer: Unterschätzt niemals den Zeitaufwand auf den Kämmen des Bayerischen Waldes!
Tempo vs. Terrain: Auf verblockten Steigen wie am Schwarzeck sinkt die Durchschnittsgeschwindigkeit drastisch. Anstelle einer klassischen 6:00er-Pace klettert der Kilometerschnitt rasch auf 12:00 bis 18:00 Minuten pro Kilometer.



Der Abstieg nach Lam: Herbstsonne, Forstwege und pure Dankbarkeit
Ein Stück nach dem Schwarzeck auf dem Wanderweg Richtung Lohberg absteigend, nutzte ich eine durchdachte Kombination aus rauen Rückewegen und geschotterten Forststraßen. Die Forstwege sind in den digitalen Karten hervorragend verzeichnet und erwiesen sich als echte Tempobringer, auf denen die Oberschenkel nach der Felsakrobatik oben wieder entspannt ausrollen konnten.
Der Weg zurück nach Lam schlug einen wunderschönen, weiten Bogen durch den Herbstwald. Unterwegs begegneten mir durchweg freundliche, gut gelaunte Menschen – Wanderer und Einheimische gleichermaßen, mit denen man ein kurzes, ehrliches Lächeln austauschte. Der strahlende Sonnenschein, das weiche Licht, das durch das bunte Blätterdach brach, und diese ruhige herbstliche Stimmung machten diese Auftaktrunde zu einer absoluten Traumtour!
Reine Bewegungszeit: 4:47:49 Stunden für 25,75 Kilometer und 1.160 Höhenmeter. Eine ehrliche Hausnummer für den ersten Tag. Mit etwas schweren Beinen, aber überglücklich kam ich wieder in Lam an. Nach einem großartigen, deftigen Abendessen im Hotel schaue ich nun voller Vorfreude auf den morgigen Freitag: Die 42 km Königsetappe wartet – zwar mit etwas weniger Höhenmetern pro Kilometer, aber einem fordernden Streckenverlauf über den Kleinen Arbersee und den Grenzkamm des Künischen Gebirges!
Die Klassische 8-Tausender-Tour: Diese legendäre Kammüberschreitung erstreckt sich über rund 16 Kilometer von der Passhöhe Eck (843 m) über den Prädikatsfernwanderweg Goldsteig bis hinauf zur Gipfelpyramide des Großen Arbers (1.456 m). Im ständigen, kräftezehrenden Auf und Ab werden auf feuchtem Wurzelwerk, Granitblockmeeren und Bohlenwegen über Hochmoore acht Tausender-Gipfel gepflückt: Mühlriegel (1.080 m), Ödriegel (1.156 m), Skywalk/Waldschmid, Schwarzeck (1.238 m), Reischflecksattel/Heugstatt (1.261 m), Enzian (1.285 m), Kleiner Arber (1.384 m) und Großer Arber (1.456 m). Wanderer veranschlagen für den technisch fordernden Abschnitt gut 7 Stunden Gehzeit.
Die Erweiterung zur 12-Tausender-Tour: Wer den Kammlauf gen Westen verlängert, startet bereits am Kaitersberg-Höhenzug. Durch die Einbindung der Gipfel rund um den Großen Riedelstein (1.042 m), den Steinbühler Gesenke und die Felsformationen der Rauchröhren wächst die Traverse um vier weitere Tausender an. Zusammen mit dem Arber-Kamm entsteht so die sogenannte 12-Tausender-Tour – ein kompromissloser, technisch anspruchsvoller Klassiker für Bergwanderer, Fastpacker und Trailrunner.
Naturschutz & Verhalten: Die Route verläuft stellenweise durch sensible Naturschutzgebiete und die Kernzonen des Auerhuhn-Schutzareals. Auf den verblockten Steigen ist konsequentes Wegegebot einzuhalten.

Tag 2 (Freitag): Königsetappe über den Kleinen Arbersee, den Zwercheck-Grenzsteig und den Osser – der lange Grenzgänger
Morgenstund, Kulturlandschaft und das Naturjuwel Kleiner Arbersee
Die ehrliche körperliche Müdigkeit vom verblockten Goldsteig trieb mich am Donnerstagabend bereits sehr zeitig ins Bett. Umso besser die Quittung am nächsten Morgen: Noch vor dem ersten Weckersignal erwachte ich vollkommen ausgeruht im ruhigen Zimmer meines Lamer Hauptquartiers. Schon etwas überpünktlich stand ich kurz vor halb acht in voller Laufmontur im Speiseraum. Das Frühstück war hervorragend und stärkte die Reserven, fiel aber spürbar kurz aus – der Ruf der Strecke war einfach zu laut und die Beine wollten los!
Bei spürbar kühleren Temperaturen als am Vortag rollte ich aus dem Marktflecken Lam an. Der Himmel zeigte sich zwar etwas bewölkter, doch für eine ausgedehnte Distanz herrschte schlichtweg perfektes Laufwetter. Auf Abschnitten des bekannten Gläsernen Steigs ging es sanft ansteigend hinüber Richtung Arber-Massiv. Gut laufbare, flüssige Passagen wechselten sich fließend mit ersten wurzeligen Anstiegen ab. Ich kam zügig vorwärts und genoss das Erwachen einer prächtigen Kulturlandschaft, in der sich dichte Nadelwälder mit saftigen Wiesen abwechselten.



Ein erstes kleines Highlight bildeten die malerischen Sollerbach-Wasserfälle, die sich als rauschendes Naturspektakel im kühlen Wald präsentierten. Schließlich erreichte ich – noch lange vor dem Eintreffen der meisten Tagestouristen und Ausflügler – das Ufer des Kleinen Arbersees. Ein absolutes Naturjuwel in morgendlicher Stille!
Geologie & Entstehung: Der Kleine Arbersee ist ein klassischer Karsee, der während der letzten Eiszeit durch die abtragende Wirkung von Talgletschern entstand. Nach dem Abschmelzen des Eises blieb in der tiefen Mulde unterhalb der steilen Arberseewand das Gewässer zurück. Dass der See seine heutige Ausdehnung besitzt, liegt an historischen Aufstauungen für die Holztrift.
Die Schwimmenden Inseln: Eine botanische Weltberühmtheit sind die drei dichten Schwingrasen-Inseln. Sie besitzen keinen festen Grund, sondern bestehen aus filzartigen Matten aus Moorvegetation, Torfmoosen und kleinen Fichten, die völlig frei auf der Wasserfläche treiben und je nach Wind ihre Position verändern.
Naturschutz & Erreichbarkeit: Das Areal steht seit 1959 unter strengstem Naturschutz. Das Betreten der Inseln, Schwimmen sowie Wassersport sind strikt untersagt. Der See ist für den öffentlichen Autoverkehr gesperrt und kann nur zu Fuß oder über die kleine Arbersee-Bimmelbahn von Mooshütte aus erreicht werden.



Vom Brennes zum steilen Uphill an der Scheiben
Nach einer ruhigen Umrundung des Sees ging es auf weiterhin gut zu begehenden Wegen vorbei an der Mooshütte hinauf nach Brennes am Fuß des Großen Arbers. Hier Querung der Passstraße, bevor der Weg in eine für den Wintersport angelegte Loipe einbog. Im Sommer präsentiert sich dieser Abschnitt als größtenteils gut geschotterter, breiter Forstweg, auf dem sich die Meter zum Langlaufzentrum Scheiben flüssig wegdrücken ließen.


Doch ab der Scheiben änderte die Tour schlagartig ihr Gesicht: Hier begann der fordernde, ehrliche Aufstieg hinauf zum Zwercheck! Egal, wie oft ich ihn schon gegangen bin – er ist jedesmal fordernd!
- Phase 1: Zunächst noch auf befestigtem Schotter ansteigend.
- Phase 2: Der Pfad wird steiler und ging in einen dichten, fordernden Wurzelweg über.
- Phase 3: Das Finale gipfelte in einem steilen, verblockten Anstieg, der Schweiß und viel Kraft in den Oberschenkeln kostete.
Geografie & Höhenrausch: Das Zwercheck (tschechisch Svaroh) ist ein bewaldeter, teils stark verblockter Gipfel auf dem Grenzkamm zwischen Bayern und Böhmen. Mit seinen 1.333 Metern überragt er selbst den markanten Großen Osser (1.293 m) um einige Meter.
Grenzsteig-Charakter: Der kilometerlange Abschnitt entlang des historischen Grenzverlaufs gehört zu den stillsten und rauesten Pfaden des gesamten Künischen Gebirges. Der schmale Singletrail schlängelt sich direkt an den Grenzmarkierungen entlang. Wurzelgeflechte, mächtige Gneisblöcke und ständiges Auf und Ab verlangen höchste Aufmerksamkeit.
Oben am Gipfel des Zwerchecks angekommen, wollte ich eigentlich meine verdreckten Trailrunning-Stöcke zusammenfalten und am Rucksack verstauen. Doch die Technik streikte: Ein Segment ließ sich beim besten Willen nicht auseinanderziehen und arretieren. Na gut, dachte ich mir trocken, dann trage ich sie eben in der Hand! Ein Glücksfall, wie sich später herausstellen sollte – auf den folgenden Anstiegen war ich noch mehrfach extrem froh, die zusätzliche Stütze griffbereit zu haben.



Auf dem historischen Grenzkamm des Künischen Gebirges
Ab dem Zwercheck betritt man eine völlig eigene Welt: Wir befinden uns auf dem alten Grenzkamm des Künischen Gebirges. Ein offizieller Wanderweg verläuft hier nur auf einem winzigen Teilstück. Stattdessen folgt man einfach dem Pfad entlang der charakteristischen weißen Grenzstäbe und Grenzsteine, auf dem früher die Grenzschützer patrouillierten.
An flüssiges Laufen war auf diesem Kammabschnitt kaum zu denken. Das Terrain ist größtenteils massiv verblockt; jeder einzelne Tritt muss wohlüberlegt gesetzt werden, um nicht auf dem Gestein abzurutschen. Man passiert unter anderem eine historische Infotafel, die an die ehemalige Zwercheck-Hütte erinnert.
Das Künische Gebirge: Als „Künisches Gebirge“ (tschechisch Královský hvozd – Königlicher Wald) wird der Bergkamm zwischen dem Lamer Winkel und dem böhmischen Tal der Angel (Úhlava) bezeichnet. Die historischen „Künischen Freibauern“ genossen im Mittelalter Sonderrechte als Grenzwächter.
Grenzsteine & Patrouillenwege: Die feinsäuberlich nummerierten Grenzsteine und weiß-blauen Grenzstäbe markieren die Staatsgrenze. Der schmale Pfad direkt an der Linie wurde jahrzehntelang von Grenzschützern aus Bayern und der damaligen Tschechoslowakei ausgetreten. Heute bildet er eine einmalige, grenzenlose Friedensmeile inmitten unberührter Waldwildnis.
Direkt auf dem Gipfelgrat des Zwerchecks stand einst die geschichtsträchtige Juranek-Hütte (tschechisch Chata na Svarohu). Sie wurde 1922 vom Ski-Club Pilsen erbaut und war ein beliebter Stützpunkt für Skifahrer und Wanderer. Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Aufkommen des Eisernen Vorhangs lag das Gebäude in der unzugänglichen militärischen Sperrzone auf tschechischer Seite und verfiel schrittweise. Ende der 1950er Jahre wurden die verbliebenen Reste abgetragen. Heute erinnert eine Schautafel an dieses verschwundene Kapitel der Böhmerwald-Geschichte.
Der Weg Richtung Großer Osser zog sich gewaltig in die Länge, obwohl ich ein zügiges Gehtempo anschlug und hin und wieder kurze flache Stücke im Laufschritt nahm. Doch für jede Mühe entschädigte diese raue, urwüchsige Naturschönheit. Weite Freiflächen, verstreute Waldinseln, gigantische Steinblöcke und verfilzte Wurzelfelder wechselten sich ständig ab. Und immer waren die stummen Zeugen der Geschichte – die Grenzsteine – in Sichtweite.
Eine wunderbare, kleine Überraschung bot unterwegs der Huberriegel. Er ist weder auf großen Wanderkarten prominent markiert noch vom Hauptweg aus direkt sichtbar. Man muss aufmerksam sein, um den schmalen, unscheinbaren Abzweig auf einen winzigen Pfad zu bemerken. Wer ihm folgt, steht plötzlich vor einem wunderschönen, filigranen Gipfelkreuz auf einem mächtigen Felsklotz, in dessen Zentrum kunstvolles Glas eingelassen ist – ein absolut lohnenswerter Abstecher!






Einkehr am Osserschutzhaus und Erkundung des unbekannten Nordkamms
Zurück auf dem Kammweg näherte ich mich dem Großen Osser. Kurz vor dem Gipfelsturm mündet der Pfad wieder auf einen offiziellen Wanderweg. Es folgte der steile, kräftezehrende Schlussanstieg hinauf zum Osserschutzhaus.
Gipfelgastronomie mit Geschichte: Das Schutzhaus der Sektion Lamer Winkel des Bayerischen Wald-Vereins liegt spektakulär direkt unterhalb des Gipfelkreuzes des Großen Ossers. Es wurde bereits 1897 erbaut und mehrfach erweitert.
Leben auf der Demarkationslinie: Die Hütte steht exakt auf der Staatsgrenze. Ein Teil der Außenterrasse befindet sich bereits auf tschechischem Hoheitsgebiet. Während hier im Kalten Krieg der Eiserne Vorhang Stacheldraht und Trennung bedeutete, ist die Hütte heute ein Symbol der europäischen Völkerverständigung.
Oben angekommen hieß es erst einmal: Durchatmen und Einkehren! Ich gönnte mir eine kühle Limonade und ein Weizen auf der sonnigen Terrasse. Obwohl die Tour bisher deutlich mehr Zeit in Anspruch genommen hatte als ursprünglich berechnet, blieb ich völlig entspannt. Ich hatte vorsorglich Regenjacke, Wechselshirt, Powerbank und Stirnlampe im Laufrucksack verstaut – auch wenn ich am Ende nichts davon benötigen sollte.
Ich nutzte die kurze Rast für ein kurzes Gespräch mit der Wirtin, um mich nach dem Zustand des nun folgenden, mir noch völlig unbekannten Streckenabschnitts nördlich des Ossers zu erkundigen. Von der Terrasse führen nur wenige Stufen hinab auf die tschechische Seite. Man betritt dort direkt das Schutzgebiet des Nationalparks Šumava.
Der tschechische Nationalpark Šumava schließt direkt an den Nationalpark Bayerischer Wald an. Zusammen bilden sie das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas. In den Kernzonen des Nationalparks gilt ein ausnahmsloses Wegegebot zum Schutz störempfindlicher Urwald-Relikte, Luchse und Auerhühner. Grenzüberschreitende Touren erfordern Rücksichtnahme und die strikte Einhaltung ausgewiesener Pfade.
Wir umrundeten den Großen Osser auf seiner Nordseite. Dieser verblockte Abstieg bildet den technisch schwierigsten und anspruchsvollsten Teil der gesamten Umrundung. Nach kurzer Zeit biegt der markierte tschechische Wanderweg ab, und wir folgten wieder direkt den Grenzsteinen auf einem schmalen, aber gut sichtbaren Pfad hinein in eine stille Wald- und Strauchlandschaft.



Hier änderte sich die Terrain-Charakteristik für die geforderten Beine wohltuend: Der Untergrund wurde weicher, weniger verblockt, und ich konnte endlich wieder in einen gleichmäßigen, entspannten Laufschritt wechseln. Ich kam spürbar schneller vorwärts und verlor stetig an Höhe. Den Weißen Riegel passierte ich dabei gar nicht bewusst, bis ich schneller als gedacht an der Europäischen Hauptwasserscheide stand – markiert durch einen kleinen, edlen Stein- und Glas-Hinweis.
Auf dem Kamm nördlich des Ossers verläuft die Europäische Hauptwasserscheide zwischen Elbe und Donau. Niederschlagswasser, das auf der Nord-/Ostseite herabfällt, fließt über die Angel (Úhlava) und Moldau in die Elbe und mündet schließlich in die Nordsee. Das Wasser der Süd-/Westseite fließt über den Lamer Bach, den Regen und die Donau in das Schwarze Meer.


Der Auslauf nach Lam: Vom Zwieseleck über den Holy Trail zum Marktplatz
Der nördliche Teil des Grenzverlaufs wirkt kaum noch gebirgig oder schroff, sondern fast schon lieblich und sanft. Hier verließen wir schlussendlich die eigentliche Staatsgrenze und folgten einem idyllischen Wanderweg hinüber zum Aussichtspunkt Zwieseleck.
Langsam, aber unmissverständlich meldeten sich nun die Beine und die absolvierten Kilometer. Ich verdrückte meine letzten Salamisticks – im Grunde meine allererste feste Mahlzeit seit dem Frühstück am Morgen – und lief stetig bergab. Auf teilweise wunderschönen Wald- und Wiesenpfaden ging es vorbei am Roten Kreuz hinab in das kleine Örtchen Lambach.
Nun galt es, noch einmal die Zähne zusammenzubeißen für den allerletzten Anstieg des Tages hinauf zur malerischen Kapelle Maria Hilf. Von dort ging es auf den legendären Holy Trail – den aus dem Ultra Trail Lamer Winkel (UTLW) „weltberühmten“, fordernden, aber traumhaft laufbaren Singletrail hinab Richtung Lam. Ein letzter Trail-Rausch, bevor mich das Pflaster des Marktplatzes wieder in der Zivilisation willkommen hieß!
Der sogenannte „Holy Trail“ oberhalb von Lam ist das unbestrittene Schluss-Highlight des Ultra Trail Lamer Winkel (UTLW). Der schmale, extrem abwechslungsreiche Singletrail schlängelt sich von der Wallfahrtskirche Maria Hilf durch lichten Wald. Er verlangt nach langen Kanten noch einmal volle Konzentration bei Wurzel-Spüngen und engen Kehren, bevor er die Läufer direkt auf den jubelnden Marktplatz entlässt.
Tagesbilanz: 43,43 Kilometer, 1.599 Höhenmeter und 8:26:57 Stunden reine Bewegungszeit. Die Tour hat spürbar länger gedauert als gedacht, aber sie hat mich vollumfänglich und tief im Herzen überzeugt!
Ein ehrliches Fazit im Nachgang: Wenn ich diesen Tag nicht als Solosequenz gelaufen wäre, hätte ich den Schlenker zum Kleinen Arbersee wahrscheinlich weggelassen. Dann wäre mehr Zeit geblieben, um oben am Osserschutzhaus noch länger in der Sonne zu sitzen und die Einkehr zu einem ausgiebigen Genussmoment zu machen. Doch so, wie es war, wurde es ein gigantischer, unvergesslicher Traum-Trailtag im Herzen des Woids!

Tag 3 (Samstag): Im Schein der Stirnlampe: Frühstart in die Stille von Lam
Der eigene Bio-Rhythmus auf solchen Auszeiten folgt seinen ganz eigenen Gesetzen. Noch deutlich vor dem ersten Weckersignal schreckte ich am Samstagmorgen aus dem Schlaf. Der Körper war hellwach und die Vorfreude auf den letzten, feinen Laufmoment dieser drei Tage lag spürbar in der Luft.
Ohne große Verzögerung schlüpfte ich in die bereits am Vorabend feinsäuberlich zurechtgelegten Laufklamotten. Ein leiser Schritt vor die Tür der Pension – und ich trat hinaus in die tiefe, friedliche Dunkelheit von Lam. Nach den beiden langen, kräftezehrenden Kanten vom Donnerstag und Freitag (mit insgesamt über 69 absolvierten Kilometern) entschied ich mich spontan für Vernunft statt Exzess: Ich kürzte die ursprünglich angedachte 10-Kilometer-Schleife knackig auf knapp 6 Kilometer ein. Die Grundrichtung und Dramaturgie der Route blieben jedoch exakt wie geplant.
Grüne Oase im Ortskern: Der Kurpark Lam erstreckt sich malerisch im Talboden entlang des Lamer Bachs. Neben seinen Wasseranlagen bildet er die Ruhezone des Ortes und dient als zentraler Knotenpunkt für örtliche Lauf- und Nordic-Walking-Schleifen.
Ortsteil Frahels: Der kleine, östlich gelegene Ortsteil Frahels schmiegt sich an die Hänge unterhalb des Osser-Massivs. Die historisch landwirtschaftlich geprägten Gehöfte und sanften Wiesenflanken bieten einen unverstellten Panoramablick über das gesamte Tal des Lamer Winkels.
Laufend dem Morgen entgegen: Von Frahels zurück zum Kaffee
Die kleine Runde rollte von der ersten Sekunde an wunderbar flüssig an. Vorbei am schlafenden Kurpark führte der Weg hinaus aus dem Ortskern. Es folgte ein langgezogener, gleichmäßiger Anstieg hinauf in Richtung Frahels. Die Beine fühlten sich nach der gestrigen Königsetappe erstaunlich locker an – der Körper hatte den Rhythmus der Berge endgültig aufgesaugt.
Oben in Frahels angekommen, drehte der Kurs nach Süden ab. Über breite, bestens zu laufende Forstwege ging es im flachen Gefälle zurück durch den dichten Tannenwald. Zwar war die Strecke keineswegs völlig flach, aber extrem dankbar und flüssig zu traben – gerade im Schein der Stirnlampe in der morgendlichen Dunkelheit genau das Richtige, um kein Risiko auf rutschigen Wurzeln einzugehen.
Tagesbilanz: 5,64 Kilometer, +145 Höhenmeter in knackigen 44:22 Minuten.
Schlussendlich stand ich wieder vor der Unterkunft: Hellwach, tief zufrieden und dankbar für jeden einzelnen Meter dieser dreitägigen Auszeit. Nach einer heißen, ausgiebigen Dusche trat ich glücklich den wohlverdienten Gang zum Frühstück an. Bei dampfendem Kaffee und frischen Semmeln ließ ich die Erlebnisse der vergangenen Tage noch einmal in Ruhe Revue passieren.

Fazit & Anpassungsmöglichkeiten: Dein eigener Weg zum Woid-Glück
Diese drei Tage im Lamer Winkel haben wieder einmal bewiesen, wie nah echte Erholung, wilde Natur und sportliche Herausforderung beieinanderliegen. Ich bin schlichtweg glücklich, tief dankbar und habe jede einzelne Minute in Lam in vollen Zügen genossen. Der Bayerische Wald verlangt einem auf den verblockten Kämmen einiges ab, schenkt einem im Gegenzug aber diese unbezahlbare Stille und Freiheit, nach der wir draußen suchen.
Das Schöne an dieser Streckenplanung ist ihre enorme Flexibilität: Alle drei Etappen lassen sich ohne großen Aufwand an das eigene Leistungsniveau, die Tagesform oder die Wetterlage anpassen, ohne dass der eigentliche Charakter der Touren verloren geht.
- Donnerstag (Auftaktrunde): Wer den sehr fordernden, verblockten Auf- und Abstieg am Schwarzeck auslassen möchte, kann den Goldsteig-Kamm schon früher über eine der Forststraßen verlassen. Ich empfehle jedoch ausdrücklich, die Grundrichtung beizubehalten und den Aufstieg in Richtung Arber-Massiv beizubehalten.
- Freitag (Königsetappe): Wer es etwas ruhiger angehen lassen oder mehr Zeit für eine ausgiebige, genussvolle Einkehr auf dem Osserschutzhaus eingeplanen möchte, lässt den Schlenker hinab zum Kleinen Arbersee einfach aus. Das spart Kilometerschleifen, erhält aber das volle Grenzkamm-Erlebnis zwischen Zwercheck und Osser.
- Samstag (Morgenrunde): Wenn die Beine noch frisch sind oder der Tatendrang größer ausfällt, kann die kurze Frahels-Runde problemlos über den Seepark Arrach verlängert werden – eine wunderschöne Ergänzung im Talboden vor der Heimreise.
Am Ende zählt nicht die exakte Kilometerzahl auf der Uhr, sondern das Gefühl, mit einem Lächeln im Gesicht im Wald unterwegs gewesen zu sein.
Euer Thorsten
📌 Bayerischer Wald: Dieser Beitrag ist Teil des Regions-Guides Bayerischer Wald. Eine Gesamtübersicht aller Berichte, Etappen und Routen findest du auf der zentralen Seite: Bayerischen Waldes: Von steilen Felsen, einsamen Schachten und tiefem Wald

Routen & GPS-Tracks: Die Touren auf Outdooractive
Damit du die Orientierung auf den verzweigten Pfaden jederzeit behältst und die Strecke vorab im Detail studieren kannst, steht dir die interaktive Karte inklusive Höhenprofil, Wegpunkten und GPX-Download direkt über Outdooractive zur Verfügung:

