„Ein edler Stein zeigt seine Kraft im Verborgenen; wie das alte Gemäuer auf steiler Höh‘, das stumm vom Laufen der Jahrhunderte zeugt und dem Wanderer Rast gewährt.“
— Frei nach Johann Wolfgang von Goethe
Die zweite Tour als Wanderwart: Kurs auf ein Herzensziel
Die zweite Vereinswanderung, seitdem ich das Amt des Wanderwarts für den TCT übernehmen durfte, stand rot angestrichen im Kalender – vielen Dank für das entgegengebrachte Vertrauen. Nachdem die erste Tour in die Fränkische Schweiz geführt hatte, stand für diesen besonderen Tag bewusst eines meiner liebsten Ziele an: Lichtenegg und die imposante Burgruine.
Schon am frühen Samstagmorgen, dem 05. September, ging es daheim mit vollen Rucksäcken los. Frisch geschmierte Brote und hartgekochte Eier dienten uns als perfektes, gestärktes Frühstück während der entspannten Zugfahrt. Die Anreiselogistik nach Hartmannshof gestaltet sich von Nürnberg aus mit S-Bahn und Regionalbahn derart unkompliziert und zeiteffizient, dass der ÖPNV auf dieser Achse schlichtweg die beste und nachhaltigste Option darstellt. Wer stattdessen individuell mit dem Auto anreisen möchte, findet am Bahnhof Hartmannshof ebenfalls einige P+R-Parkplätze vor.

Kurz nach 9:00 Uhr morgens schnallten wir am Bahnhof Hartmannshof die Rucksäcke fest und starteten voller Vorfreude zügig die Wanderung in Richtung Süden. Vorbei an der markanten Ortskirche stiegen wir rasch aufwärts. Der Weg führte uns ohne Umschweife hinauf auf die landwirtschaftlich genutzte Hochfläche in Richtung Waizenfeld. Schon auf diesen ersten Metern spürte man die klare Septemberluft – der sanfte Auftakt eines perfekten Wandertages.

Über den Schellenberg: Pilze, Moose und 300 Höhenmeter
Kurz vor dem Erreichen des kleinen Ortes Waizenfeld bogen wir nach Osten ab und tauchten direkt in den dichten Forst ein. Die Route schlängelte sich nun über den geschichtsträchtigen Schellenberg durch einen mit bunten Pilzen, Moosteppichen und mächtigen Felsbrocken übersäten Wald. Wie Goethe einst passend feststellte, dass ein edler Stein seine Kraft im Verborgenen zeigt, so lagen auch hier die gewaltigen Jura-Kalksteinblöcke stumm zwischen Buchen und Fichten gebettet.
Auf der ersten Hälfte der Strecke – Lichtenegg lag etwa bei Kilometer 7 – absolvierten wir bereits den Großteil der Steigungen. Die insgesamt rund 300 Höhenmeter forderten die Waden auf den wurzeligen Waldpfaden kontinuierlich, ohne uns jedoch zu überlasten. Das Tempo im Team war harmonisch und die Gespräche locker und frei.




📌 Infobox: Geologie des Schellenbergs & Fränkischer Malm-Kalk
- Gesteinsformation: Der Schellenberg liegt im Übergangsbereich der Pegnitz-Alb zum Birgland. Geologisch wird die Landschaft durch die harten Schwammstufen-Kalksteine und Dolomite des Oberen Jura (Malm) geprägt.
- Verwitterung & Boden: Über Jahrmillionen entstand durch Verkarstung eine raue, mit moosbedeckten Bouldern und Dolinen übersäte Waldlandschaft, die für die Region typisch ist.
Kulinarik & Vertrauenskasse: Die kultige Einkehr in Lichtenegg
Im Ort Lichtenegg angekommen, steuerten wir zielsicher unser erstes Hauptziel an: die ehemalige Gaststätte. Auch wenn der klassische Wirtschaftsbetrieb ruht, ist die dazugehörige Metzgerei weiterhin aktiv in Betrieb. Für Wanderer und Outdoor-Enthusiasten haben die Betreiber ein fantastisches Konzept geschaffen: Aus mehreren Kühlschränken kann man sich selbstgeschlachtete, frisch abgepackte Wurstspezialitäten aussuchen.
Dazu steht eine beachtliche Auswahl an gekühlten Getränken und regionalen Bierspezialitäten der Traditionsbrauerei Bürgerbräu Hersbruck bereit – absolut lohnenswert! Bezahlt wird das Ganze unkompliziert und ehrlich per Vertrauenskasse. Wir nahmen uns ganz entspannt die Zeit, setzten uns in die Sonne, bissen in unsere Vesper, tranken ein kühles Seidla und quatschten über vergangene und kommende Touren. Dass wir dabei noch mit einem sympathischen Wanderpaar aus Darmstadt ins Gespräch kamen und Tipps austauschten, war eine wunderbare Zugabe.


📌 Infobox: Die Burgruine Lichtenegg – Historie & Architektur
- Entstehung & Lage: Die Burg Lichtenegg thront auf einer markanten Felskuppe auf 585 m ü. NHN. Sie wurde vermutlich im 13. Jahrhundert errichtet und diente einst als Ministerialensitz zur Sicherung der Handelswege zwischen Nürnberg und Regensburg.
- Aussichtspunkt: Der erhaltene Bergfried und die massiven Umfassungsmauern bieten einen der schönsten Rundumblicke über das Birgland, die Pegnitz-Alb und weit hinein in die Oberpfalz.
Gipfelglück auf der Ruine & Sonniger Abstieg nach Guntersrieth
Anschließend ging es hinauf auf die markant gelegene Burgruine Lichtenegg. Wir traten hinein in das alte Gemäuer und stiegen im bergfriedartigen Bereich noch weiter nach oben. Der Ausblick von hier oben ist schlichtweg ein Traum! Lichtenegg ist wegen dieser imposanten Ruine und der liebevoll geführten Selbstbedienungs-Einkehr auf jeden Fall jederzeit einen Abstecher wert!
Auf einfachen und nun schön in warmes Sonnenlicht getauchten Wegen ging es anschließend hinab nach Guntersrieth und von dort vorbei an einer kleinen, hübschen Waldquelle weiter hinab zum Ausgangspunkt in Hartmannshof. Am Ende verzeichnete die GPS-Aufzeichnung exakt 12,5 Kilometer und eine reine Bewegungsdauer von 3 Stunden und 15 Minuten.
Sollte man am Ende der Tour noch Lust auf eine warme, stilvolle Mahlzeit haben, bietet sich die hervorragende Osteria direkt im sehr hübsch restaurierten ehemaligen Bahnhofsgebäude von Hartmannshof für einen kulinarischen Abschluss an.





Du möchtest die 12,5 km lange Runde von Hartmannshof über den Schellenberg zur Burgruine Lichtenegg nachwandern? Scanne einfach den QR-Code auf dem nebenstehenden Foto mit deiner Smartphone-Kamera. Er führt dich direkt zu unserer interaktiven Routenkarte auf Outdooractive, wo du die vollständige Streckenbeschreibung einsehen und die GPX-Datei bequem für deine Sportuhr oder GPS-Navigation herunterladen kannst.

Touren-Charakter & Ausrüstungstipps
Die Tour ist größtenteils einfach zu wandern. Es gibt nur wenige Passagen (etwa im Wurzelbereich am Schellenberg), die ein wenig Trittsicherheit nötig machen. Damit ist die Runde auch gut mit Kindern zu begehen.
Als Schuhwerk empfehlen sich griffige Wanderschuhe oder moderat profilierte Trailschuhe (ich wählte aufgrund es nächtlichen Regens wasserdichte Wanderstiefel), um auf den feuchten Kalksteinen und Wurzelwegen optimalen Halt zu haben. Zudem empfiehlt sich ausreichend Kleingeld für die Vertrauenskasse beim Alten Schloss-Wirt in Lichtenegg.
Euer Thorsten


