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Wildschönauer Höhenweg Trophy – als Trio

„Du, Berg, bist gut. Auf deinen Matten ruht
Das Auge gern und gern auf deinem Wald;
Du bist nicht hoch noch stattlich von Gestalt,
Doch macht dein sanfter Reiz dem Träumer Mut.
Die Sonne liegt auf deiner breiten Brust
Den langen Tag; du gibst sie uns zurück;
Und über deinem gütevollen Glück
Entlässt das Herz die letzte böse Lust.“

— „Einem Berge“ von Christian Morgenstern

Auf einen Blick
DatumSamstag, 12. Oktober 2024
Strecke19,8 km
Höhenmeter+1.080 HM
Dauer3 Std. 28 Min.
BegleitungAndy & Phine
Ausrüstung/CharakterRoter Bergwanderweg, verblockte Steige & Kitzbüheler Schieferalpen

Vorwort: Zweiter Anlauf ins Tiroler Herbstgold

Nach einem vor wenigen Wochen nicht geglückten Versuch mit der Bahn (RE oder RB) Richtung München und zu den Freunden in Edling zu gelangen (ein unvorhergesehener Weichenaustausch am Nürnberger Hauptbahnhof hatte das gesamte Vorhaben lahmgelegt), stand am Freitag ein zweiter Anlauf an: diesmal völlig reibungslos und erfolgreich.

Die Vorfreude auf ein gemeinsames Wochenende in den Bergen war riesig. Nach einigen entspannten und wunderbaren Stunden bei Andy und Phine – mit denen ich schon so manche denkwürdige Kante gelaufen bin, wie etwa das Fastpacking-Abenteuer auf dem historischen Pandurensteig – klingelte am Samstag kurz vor 5 Uhr unerbittlich der Wecker für das Frühstück. Schließlich muss ordentlich Treibstoff in den Magen, wenn es für ein paar Stunden zügig in die alpine Kulisse geht.

Mit Sonnenaufgang rollten wir mit dem Auto im Hochtal der Wildschönau in Tirol auf den Parkplatz der Markbachjochbahn in Niederau und „freuten“ uns über die zapfigen 4°C vor Ort. Wolkenlose Nacht bedeutet eben schlichtweg einen bitterkalten Morgen! Doch das herbstliche Licht, das sich sanft über die Bergkämme legte, versprach einen absoluten Bildebuchtag. Die Laufwesten waren gepackt, die Schuhe geknotet – der Höhenweg wartete auf uns.

Infobox: Das Hochtal Wildschönau & Das Markbachjoch

Topografie & Geschichte: Die Wildschönau ist ein ca. 24 km langes Hochtal in den Kitzbüheler Alpen im Tiroler Bezirk Kufstein. Das Tal gliedert sich in die Hauptdörfer Niederau, Oberau, Auffach und Thierbach. Historisch stark durch Bergbau (Silber- und Kupferabbau ab dem 15. Jahrhundert) sowie alpine Almwirtschaft geprägt, hat sich die Region ihre Ursprünglichkeit bewahrt.
Das Markbachjoch (1.500 m): Das Markbachjoch oberhalb von Niederau dient als nördliches Eingangstor zur Gipfelkette des Wildschönauer Höhenwegs. Es zeichnet sich durch sanft gewellte Almböden aus, bevor die Steige südlich in technisch anspruchsvolleres, felsiges Terrain übergehen.

Digitale Schnitzeljagd am Berg: Ablauf & Checkpoints

Mit einer außerordentlich offenen und freundlichen Art wurden wir an der Talstation empfangen. Die Menschen vor Ort begegneten uns über die gesamte Zeit hinweg durchweg herzlich, hilfsbereit und unkompliziert – eine Gastfreundschaft, die man auf Reisen tief zu schätzen weiß. Der Ablauf des Events war für uns Trailläufer allerdings ungewohnt: Die meisten Teilnehmer des überschaubaren Feldes sind klassische Wanderer, und an deren Tempo und Bedürfnissen richtet sich das Format primär aus.

Kurz vor 8 Uhr wurden wir mit der Gondelbahn hinauf zur Bergstation auf das Markbachjoch gebracht. Anstelle eines klassischen Massenstarts galt es, sich individuell mit dem Smartphone über einen QR-Code auf einem Startschild einzuloggen. Anschließend mussten verschiedene Kontrollstationen und Gipfel angelaufen werden, an denen wir uns zwischendurch an den aufgestellten Tafeln via QR-Code-Scan zur Zeitmessung und Streckenkontrolle zurückmeldeten. Ein innovatives Digitalkonzept – das in Deutschland angesichts der oft lückenhaften Mobilfunkabdeckung auf abgelegenen Trail-Passagen wohl meistens an Grenzen stoßen würde, im tiroler Netz aber makellos funktionierte.

Infobox: Technik & Logistik – QR-Code-Zeitmessung & Akku-Management

Digitale Zeitmessung im Bergsport: Bei unbetreuten Event-Formaten oder individuellen Trophy-Runs ersetzen QR-Code-Checkpoints den klassischen Transponder-Massenstart. Läufer erfassen ihre Durchlaufzeiten direkt über Web-Applikationen mit Smartphone-Geolokalisierung.
Akkuschonung in großer Höhe: Kühle Temperaturen auf knapp 2.000 Metern reduzieren die Zellspannung von Lithium-Ionen-Akkus drastisch. Es empfiehlt sich, das Smartphone körpernah in einer Innentasche oder Trailweste warmzuhalten sowie bei längeren Bergtouren immer eine kompakte Powerbank samt GPS-Ladekabel mitzuführen.

Dem Himmel entgegen: Über den Rosskopf in die Inversionswetterlage

Vom Start weg ging es sehr schnell aufwärts. Mit gleichmäßigem Schritt passierten wir rasch die zügigsten Wandergruppen und schraubten uns höher in Richtung des ersten exponierten Gipfels: dem Rosskopf (1.731 m). Der Höhenweg entwickelte sich von Kilometer zu Kilometer dynamischer – mal breit und flüssig zu laufen, mal als schmaler Pfad, mal einfach dahinziehend, dann wieder technisch fordernder.

Infobox: Geologie der Kitzbüheler Schieferalpen & Inversionswetterlage

Grauwackenzone & Schiefer: Die Bergwelt der Wildschönau gehört geologisch zur Tiroler Grauwackenzone der Kitzbüheler Alpen. Im Gegensatz zu den scharfkantigen Kalkalpen dominieren hier paläozoische Schiefer- und Sandsteine. Diese erzeugen sanfter geformte, oft bis in die Gipfellagen begrünte Grate („Grasberge“), die mit lehmigen, wurzeligen Böden und eingestreuten Quarzit-Felsen hervorragendes Trailrunning-Terrain bieten.
Meteorologie der Inversion: Bei herbstlichen Hochdruckwetterlagen sammelt sich kühle, schwere Luft in den Tälern, während es in den Hochlagen durch Sonneneinstrahlung spürbar wärmer ist. Dies sorgt für eine exzellente Fernsicht oberhalb der herbstlichen Dunstschichten.

Schließlich arbeiteten wir uns kontinuierlich steiler empor, bis wir uns oberhalb der Baumgrenze befanden. Leichte Schneereste des ersten Frühwinters zuckerten die höchsten Lagen von knapp 2.000 Meter zart ab und verliehen der Hochgebirgslandschaft einen wunderschönen, majestätischen Anstrich. Unterstützt durch die fantastische Fernsicht im Sonnenschein einer ausgeprägten Inversionswetterlage bot sich uns eine echte Bilderbuchlandschaft – ein absoluter Traum! Da fiel auch ein kleiner, unglücklicher Ausrutscher samt unvermeidbarer Polandung auf dem schneebedeckten Gras nicht weiter ins Gewicht.

Flowige Trails, steile Steige & der Abstieg zur Schönangeralm

Der Höhenweg ist durchgehend als roter Bergwanderweg (mittelschwerer Bergweg) markiert. Dementsprechend war die Strecke größtenteils extrem flowig und flüssig zu laufen. Die einheimischen Läufer zeigten uns auf einigen Passagen dennoch sehr eindrucksvoll, wie geschmeidig man sich auf diesem Terrain bewegen kann!

Die flüssigen Abschnitte wurden nur von wenigen verblockten, steinigen Stellen unterbrochen, die ein Mindestmaß an Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderten. Schließlich verließen wir die aussichtsreichen Höhenkämme und steuerten über einen steil gewundenen Steig den Abstieg hinab in das alpine Talschluss-Areal der Wildschönau an.

Infobox: Das Zielareal – Die Schönangeralm (1.173 m)

Die Schönangeralm liegt am idyllischen Talschluss der Wildschönau, umrahmt von den mächtigen Gipfeln des Feldalphorns und des Limmertsbergs. Die traditionelle Schaukäserei der Alm ist weit über die Grenzen Tirols hinaus für ihre prämierten Bergkäsespezialitäten bekannt. Der Talschluss dient zudem als zentraler Knotenpunkt für das regionale ÖPNV-Wanderbusnetz.

Unten im Tal angekommen, ging es auf einem flachen Forstweg flussabwärts direkt dem Ziel an der Schönangeralm entgegen. Die wohlverdiente Siegerehrung im Zielbereich wurde uns mit frischem, duftendem Kaiserschmarrn versüßt. Nachdem wir rasch ein paar trockene Klamotten aus dem Laufrucksack angezogen hatten, saugten wir die wärmenden Herbstsonnenstrahlen auf der Terrasse der Alm in vollen Zügen auf.

Mit dem Wanderbus ging es im Anschluss entspannt zurück zum Parkplatz an der Markbachjochbahn. Ein rundum gelungener Vormittag und Mittag bei und mit sympathischen, liebenswerten Menschen, hervorragendem Wetter und spektakulärer Landschaft – mehr braucht es manchmal einfach nicht für echtes Trailglück!

Euer Thorsten


Kaiserschmarrn nach dem Zieleinlauf
Kaiserschmarrn zur Belohnung

STRAVA

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