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Ungerthal entspannt – ein Sonntagsausflug

„Ich spürte, wie sich meine Lungen durch den Ansturm von Luft, Bergen, Bäumen und Menschen aufblähten. Ich dachte: Das ist es, was es heißt, glücklich zu sein.“

— Sylvia Plath (1932 – 1963)

Auf einen Blick
DatumSonntag, 10. November 2024
Strecke10,0 km
Höhenmeter+190 HM
Dauer2 h 49 min
BegleitungZweisamkeit (Mel)
Ausrüstung/CharakterRundweg, breite Waldwege, Sagenweg, Quellensteig & Entschleunigung

Vorwort: Auszeit nach dem Trubel

Ein Samstagabend mit viel Sitzen, lauter Geräuschkulisse, vielen Menschen und Trubel schreit förmlich nach einem Sonntag mit Frischluft, Natur, Bewegung und Zeit zur Zweisamkeit. An Tagen wie diesem geht es nicht um Pace, Pulswerte oder Höhenmeter-Rekorde. Es geht schlicht darum, tief durchzuatmen, die Lungen mit frischer Waldluft zu füllen und das Tempo drosseln zu dürfen.

Vom Wanderparkplatz bei Ungerthal aus ging es für uns auf meist breiten und einfachen Wegen im stetigen Auf und Ab über den geschichtsträchtigen Heidenberg. Die Route führte vorbei an informativen Hinweistafeln des lokalen Sagenwanderwegs, dem imposanten Sendemast, dem bekannten Kürbishof mit seinem leckeren Eis, der malerisch im Wald gelegenen Jakobuskapelle sowie spiegelglatten Weihern und dem verwunschenen Quellensteig zurück zum Ausgangspunkt. Diese 10 Kilometer lange Runde war erstaunlich kurzweilig und erfüllte ihren Zweck zu einhundert Prozent: Zur Ruhe kommen, den Kopf frei bekommen und die gemeinsame Zeit im sonnigen Spätherbst bewusst genießen.

Infobox: Die Geologie des Heidenbergs & Der Nürnberger Burgsandstein

Geologische Formation: Der Heidenberg ist ein dicht bewaldeter Höhenrücken (bis zu 463 m ü. NHN) im Mittelfränkischen Becken nahe Kammerstein und Büchenbach. Geologisch gehört der Berg zur Sandsteinkeuper-Formation des Mittleren Keupers, in der mächtige Schichten des Nürnberger Burgsandsteins das Fundament bilden.
Boden & Hydrologie: Die porösen, kieseligen Sandsteinschichten wirken als hervorragender natürlicher Wasserspeicher. An tiefer liegenden, wasserundurchlässigen Ton- und Letten-Schichten tritt das im Berg gesammelte Grundwasser an zahlreichen Hängen als natürliche Quellaustritte hervor – das Fundament für die feuchte Mikroklimazone des Quellensteigs.

Auf historischen Pfaden: Vom Sagenweg zur Jakobuskapelle

Der Heidenberg ist keineswegs nur eine grüne Lunge im Landkreis Roth, sondern ein tief verwurzelter Kulturraum. Schon auf den ersten Kilometern kreuzten wir Abschnitte des Kammersteiner Sagenwanderwegs. Die Schautafeln am Wegesrand erzählen eindrucksvoll von regionalen Mythen – wie den emsigen Heinzelmännchen, der geheimnisvollen Wilden Jagd oder den Raubrittern, die einst im Schatten des dichten Buchen- und Fichtenwaldes ihr Unwesen trieben.

Gegen Mitte der Runde erreichten wir auf einer ruhigen Lichtung die Jakobuskapelle am Heidenberg. Dieses kleine, stilvolle Gotteshaus liegt direkt am historischen Jakobsweg (Abschnitt Nürnberg–Eichstätt/Rothenburg). Der Ort strahlt eine ungeheure Stille aus und lädt Pilger wie Ausflügler gleichermaßen ein, kurz innezuhalten. Ein Stück weiter ragt der große Sendemast über die Baumkronen heraus – ein technisches Bauwerk, das im harten Kontrast zur uralten Natur des Waldes steht, aber als Orientierungspunkt aus der Ferne dient.

Nicht weit entfernt stößt man im Zuge der Wanderung auf geologische Kuriositäten wie das Luderloch – eine historische Erdsenke und Spaltensystem im Sandstein, um das sich im Volksmund ebenfalls schaurige Geschichten ranken. Wer aufmerksam durch den Wald geht, spürt die Verbindung aus geologischer Geschichte und menschlicher Erzähltradition auf jedem Meter.

Infobox: Der Kammersteiner Sagenwanderweg & Die Jakobuskapelle

Volkskultur & Sagenreich: Der Sagenwanderweg rund um den Heidenberg macht das mündlich überlieferte Kulturgut der Gemeinden Kammerstein und Büchenbach erlebbar. Das „Luderloch“ oder die Sagen vom „Puttelmann“ sind Zeugnisse des mittelalterlichen Aberglaubens im bewaldeten Keuperland.
Pilgerstation Jakobuskapelle: Die hölzerne Wandakapelle wurde als Rastort für moderne Pilger geschaffen. Sie liegt auf der Mittelfränkischen Jakobsroute und verbindet gelebte Spiritualität mit der Ruhe des Buchenmischwaldes.

Quellensteig, Weiher und kulinarische Erfrischung

Das landschaftliche Herzstück des Schlussabschnitts bildete der verzauberte Quellensteig. Auf schmalen, naturbelassenen Pfaden geht es hier vorbei an sanft plätscherten Bächen und feuchten Hangwäldern. Über weiches Moos und kleine Holzbrücken führt der Steig entlang mehrerer Quellaustritte (wie der bekannten Josepha- und Marienquelle). Selbst an kühlen Novembertagen verströmt das sanfte Rauschen des Wassers eine fast meditative Wirkung.

Kurz vor dem Ziel passiert man friedliche Fischweiher, in deren spiegelglatter Wasserfläche sich das späte Herbstlaub der Eichen und Buchen spiegelt. Ein wunderbarer Zwischenstopp bietet sich am Kürbishof, wo im Sommer und Frühherbst hausgemachtes Eis und regionale Spezialitäten auf die Ausflügler warten. Über sanfte Wiesenwege geht es schließlich zurück zum Wanderparkplatz bei Ungerthal.

Euer Thorsten

Jakobuskapelle am Heidenberg
Jakobuskapelle am Heidenberg

STRAVA

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