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Flusslaufen: Vom ersten Quellaustritt bis zur Mündung im Laufschritt

„Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen; denn andere Wasser fließen nach, und immer neue Welten tun sich dem Schritte auf.“

— Heraklit

Die Philosophie: Was ist Flusslaufen eigentlich?

Flusslaufen ist weder ein unlösbares Geheimnis noch eine höhere Kunst. Vielmehr ist es eine von mir seit vielen Jahren mit großer Leidenschaft gepflegte Form des Laufsports, bei der es mir primär darum geht, neue Orte, unberührte Gegenden und faszinierende Landschaften zu entdecken und hautnah zu erleben – ganz einfach nach der Devise: #laufenddieweltentdecken.

Es braucht keine künstlich abgesteckten Wettkampfstrecken oder starre Vorgaben, um die Laufschuhe zu schnüren. Wer dem Lauf eines Gewässers folgt, überlässt die Dramaturgie der Natur selbst. Flusslaufen bedeutet Entschleunigung im Kopf bei zeitgleicher Bewegung im Feld – eine Einladung, die Geografie unserer Heimat Schritt für Schritt neu zu lesen.

Das Regelwerk: Mein Spiel, meine Regeln

Da es mein eigenes „Spiel“ ist, bestimme auch ich die Regeln:

  • Vollständigkeit von Quelle bis Mündung: Es wird immer strikt von der oder den Quellen bis hin zur Mündung gelaufen. Schon allein das Auffinden der Quelle kann je nach Flusslauf, Terrain und Jahreszeit eine Herausforderung darstellen. Mal entspringt ein Bächlein als sprudelnde Fassung, mal verliert es sich im morastigen Quellgebiet. Das Suchen zeigt die natürlichen Schwankungen der Wasserführung auf wunderschöne Weise. Besitzt ein Fluss mehrere Quellbäche, versuche ich konsequent, sie alle aufzuspüren und abzulaufen.
  • Ufernähe mit Vernunft: Anschließend geht es so nah und flüssig wie möglich am Flussufer entlang. Schmale Pfade, wurzelige Trails oder verträumte Wiesenwege werden bevorzugt gewählt. Allerdings kämpfe ich mich nicht weglos direkt durch dichtes Ufergestrüpp – in solchen Fällen weiche ich lieber um einige Meter auf einen regulären Weg aus, um den Spielfluss zu wahren und die Vegetation zu schonen.
  • Das Erlebnis des Werdens: Auf dieser Reise erlebe ich das Werden des Flusses hautnah: das zarte Entstehen am Quellaustritt, das stetige Wachsen durch kleine Zuflüsse, das Reifen zu einem breiten Strom und am Ende die Mündung, in der er in etwas völlig Neuem und Größerem aufgeht. Eine für mich tief berührende Vorstellung.

Infobox: Das Grundprinzip des Flusslaufens

1. Vollständigkeit: Start an allen Quellursprüngen, Ziel am Zusammenfluss oder der Mündung.
2. Ufernähe mit Vernunft: Bevorzugung von Singletrails und Treidelpfaden; bei fehlender Wegeinfrastruktur Ausweichen auf die nächstgelegene Parallele.
3. Landschaftsdynamik: Beobachtung von Flussmorphologie, Sedimentation und Vegetationswechseln im Streckenverlauf.

Projekt-Historie & Fernziele: Von der Heimat an die Donau

Mittlerweile sind über die Jahre einige Flüsse zusammengekommen. Dazu gehören die heimische Schwabach in meiner Heimatstadt sowie die Pegnitz und die Rednitz, die sich in Fürth eindrucksvoll zur Regnitz vereinigen. Jede dieser Etappen hat ihren ganz eigenen Charakter – vom waldreichen Oberlauf bis hin zu den urbanen Kulturlandschaften der fränkischen Städte.

Als langfristiges Fernziel habe ich mir die Donau gesetzt. Zumindest der Abschnitt von der Quelle im Schwarzwald bis nach Budapest sollte auf dem gut ausgebauten Donau-Radweg hervorragend im Fastpacking- und Laufschritt absolvierbar sein.

Euer Thorsten

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