„Iller, Lech, Isar, Inn, fließen rechts zur Donau hin.
Wörnitz, Altmühl, Naab und Regen kommen ihr von links entgegen.“
— Alter Merkspruch der fränkisch-bayerischen Flussgeografie
Weiter geht’s: Die JUNUT-Erkundung geht in die zweite Runde
Neues Wochenende, nächste Etappe! Wir knüpfen exakt dort an, wo wir beim letzten Mal aufgehört haben: Am Zielpunkt in Altessing steigen wir wieder ein, um uns das nächste Stück der JUNUT-Strecke vorzunehmen. Das Ziel des Tages: Etterzhausen.
Wer ist „wir“? Das Trio aus Ingo, Andy und meiner Wenigkeit als gelassenem Schlusslicht. Die Vorfreude auf die vor uns liegenden 55 Kilometer ist spürbar – auch wenn wir ahnen, dass die Beine heute einiges zu tun bekommen.
Der Kult-Ultra in Süddeutschland: Der JUNUT (Jurasteig Nonstop Ultra Trail) gehört zu den bekanntesten und forderndsten Ultralauf-Veranstaltungen im süddeutschen Raum. Auf einer Gesamtdistanz von bis zu 239 Kilometern und über 7.500 Höhenmetern führt die Strecke auf den verschlungenen Pfaden des Jurasteigs einmal quer durch die faszinierende Mittelgebirgslandschaft des Bayerischen Jura.

Flüssiger Flow an der Donau: Von Weltenburg nach Kelheim
Der sehr wellige Charakter des ersten Streckenabschnitts lässt auch heute kaum nach. Ständiges Auf und Ab fordert die Waden, doch es gibt eine wohltuende Ausnahme: Die Passage entlang der Donau in Richtung Kelheim, während das imposante Kloster Weltenburg auf der rechten Seite liegt (und leider nicht passiert wird😉).
Im Vergleich zum ersten Teil zeigt sich die Strecke hier von einer weniger technischen, flachere Züge annehmenden Seite. Das erlaubt ein deutlich flüssigeres Laufen. Mir persönlich liegt dieser Abschnitt heute extrem gut – ich komme schnell in einen angenehmen Rhythmus und genieße das Dahingleiten am Fluss.
Ursprung & Verlauf: Die Donau entsteht im Schwarzwald durch den Zusammenfluss der Quellflüsse Brigach und Breg bei Donaueschingen. Auf ihrem rund 618 Kilometer langen deutschen Streckenabschnitt durchquert der zweitlängste Strom Europas die Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern, bevor er bei der Dreiflüssestadt Passau die Grenze nach Österreich passiert.
Geologische Besonderheiten: Zu den prägendsten Naturdenkmälern im deutschen Verlauf gehören die spektakuläre Donauversickerung im Naturpark Obere Donau sowie der imposante Donaudurchbruch (Weltenburger Enge) bei Kelheim, wo sich das Wasser tief in die jurassischen Kalksteinfelsen gegraben hat.
Fernweg & Infrastruktur: Der durchgehend gut ausgebaute Donauradweg bietet hervorragende Voraussetzungen für flussbegleitende Longruns, Fastpacking-Etappen und weitläufige Flusslauf-Projekte von der Quelle bis über die Landesgrenzen hinaus.

Zitterpartie & Highlight: Die Gierseilfähre Matting
Ein großes Fragezeichen schwebte über dem Streckenabschnitt bei Matting: Nach dem heftigen Wetter der vergangenen Nacht war unklar, ob die historische Fähre überhaupt in Betrieb sein würde. Da es in dieser Gegend kaum Flussüberquerungen gibt und wir die Donau ansonsten erst wieder kilometerweit entfernt über die Brücke in Kelheim hätten queren können, hing der gesamte Routenverlauf an diesem Nadelöhr.
Wir haben es riskiert – und hatten Glück! Die Fähre fuhr. Ein besonders charmantes Detail am Rande: Selbst auf dem Boot sind die offiziellen Wandermarkierungen angebracht. Ein toller kleiner Moment, der einem den Tag versüßt.
Lautloser Flussübergang ohne Motor: Die Fähre in Matting gehört zu den wenigen verbliebenen Gierseilfähren an der Donau. Das Schiff nutzt ausschließlich die natürliche Strömung des Flusses zur Überquerung. Es ist an einem langen Drahtseil verankert, das flussaufwärts an einem Reiter auf einem gespannten Tragseil gleitet. Durch Schrägstellung der Bootskörper zur Strömung drückt das fließende Wasser die Fähre lautlos von einem Ufer zum anderen – eine umweltfreundliche Technik, die seit dem 19. Jahrhundert unverändert im Einsatz ist.
Nadelöhr im Routennetz: Da sich stromauf- und stromabwärts feste Flussüberquerungen erst wieder in Kelheim oder Regensburg befinden, bildet diese historische Fährverbindung ein prägendes Nadelöhr für Wanderer, Trailrunner und das Starterfeld des JUNUT.

Magerrasen und Mittelmeer-Feeling
Kurz vor dem Ziel wandelt sich das Gesicht der Landschaft noch einmal komplett: Der Weg führt an steinigen Hängen entlang, wo sich typischer Magerrasen an den Fels schmiegt. Plötzlich breitet sich hier eine ganz eigene, fast schon mediterrane Stimmung aus. Für mich persönlich ohne Zweifel der schönste Abschnitt der gesamten heutigen Tour!

Verpflegung & Ausrüstung: Vollautark im 12-Liter-Rucksack
Bei einer Distanz von 55 Kilometern und einer Laufzeit von über 7,5 Stunden stellt sich natürlich die Verpflegungsfrage. Wir haben uns heute bewusst gegen Einkehrstopps entschieden (was auf dem Jurasteig auch nicht immer ganz einfach wäre) und waren komplett autark unterwegs : In unseren 12-Liter-Trailrucksäcken hatten wir sämtliche Riegel, Gels, Elektrolyte und Flüssigkeit für den gesamten Tag direkt am Rücken mit dabei. Das spart Zeit, fordert aber natürlich beim Tragegewicht seinen Tribut.

Orientierung, Komoot-Fehler & Akku-Management
Ganz ohne Tücken lief es organisatorisch allerdings nicht: Die Markierungen vor Ort ließen streckenweise stark zu wünschen übrig. Ohne technische Hilfsmittel und GPS-Track hätten wir uns an mehreren Stellen verfranst. Für den anstehenden Wettkampf steht fest: Der Track muss zwingend auf der Uhr mitlaufen! Da stellt sich natürlich direkt die Frage des Akku-Managements – Zwischenladen unterwegs wird Pflicht sein.
Auch bei den Höhenmetern gab es eine kleine Überraschung: Die von Komoot geplanten Höhenmeter lagen gut 30 % unter den tatsächlich absolvierten Werten. Statt sanftem Hügelland gab es also eine ordentliche Zusatzportion Körnerpunkte. Ergänzt hat das unseren Trainingseffekt aber allemal!
Trotz (oder gerade wegen) dieser kleinen Abenteuer ist die Vorfreude auf Abschnitt 3 nicht kleiner geworden. Im Gegenteil: Die Beine brennen, das Herz hüpft – auf ins nächste Abenteuer!
Euer Thorsten


