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6. Mozart100 – die reinste organisatorische Katastrophe

  • Samstag, 17. Juni 2017
  • 105 km und 5000 HM
  • 17 h 58 min 42 sec

Vielleicht bin ich ein wenig vom MIUT oder TAR verwöhnt, vielleicht habe ich zu überzogene Ansprüche, aber diese Austragung lässt noch viel Luft nach oben…

Alles am Vortag schon einmal vorbereitet


Zusammen mit meinen Eltern und Mareike haben wir meinen Geburtstag genutzt und sind für ein langes Wochenende in das schöne Salzburg gefahren – eine, wie ich finde, äußerst attraktive Stadt, die zum ausgiebigen schlendern einlädt. So weit, so gut. Zusätzlich bringt der Lauf Punkte für den UTMB ein, der auf meiner Wunschliste ganz weit oben steht!
Die Startunterlagenabholung im Hervis in Salzburg ist sehr lieblos und ohne Flair, aber noch verständlich und letztendlich auch nicht entscheidend. Der Start in aller Früh ohne großen Krach mit einem kleinen Starterfeld ist der Lage inmitten der Altstadt geschuldet und nachvollziehbar.

Startgelände im Morgengrauen

Eingestellt bin ich auf ein Rennen um die 100km und etwa 4000 HM – wobei bei der Anmeldung noch von 2500 HM die Rede war und das Zeitlimit kurz vor Start noch einmal verkürzt(!) wurde. Kann man machen, bringt mich auch nicht aus der Fassung, ist aber, vorsichtig ausgedrückt, sehr ungewöhnlich.

Die ersten 6 km führt die Strecke nur über Asphalt kerzengerade aus Salzburg hinaus (der Tribut an ein Start-/Zielgelände mitten in der Altstadt) und verleitet zu einem schnellen, zu schnellen Start. Dann kommt endlich ein Schotterweg, der gemütlich aufwärts führt. Bis zum Fuschlsee bei ca. km 27 gibt es keine wirklichen Trails, vielmehr Waldautobahnen. Und dann dies! Auf einem Spaziergänger-Schotterweg laufen wir am See entang zum großen VP bei Fuschl am See! Was dies alles mit Ultratrail zu tun? Geduld ist angesagt, vielleicht wird es jetzt noch wilder…

Etwas trailiger geht es nun steil aufwärts Richtung Schafberg oberhalb vom Wolfgangsee. Zum Teil über eine Skipist aufwärts. Auf jeden Fall wird es nun interessanter und härter. Ärgerlich ist nur, dass der höchste Punkt des Rennens auf einem Schotterweg auf einer normalen Hochfläche endet und keinerlei Gipfelgefühle liefert. Auch egal, ich freue mich schon auf meine Mareike in Fuschl am See beim VP. Im Dowhnhill nach Laim wird zum ersten Mal die unzureichende Wegmarkierung deutlich und sorgt bei einigen Teilnehmern für Verstimmung. Ich bin noch zuversichtlich, dass mir so etwas nicht passiert…
KM 78 erwartet mich mein Fanclub unter Anfeuerung und mit dem ersten Teil meines Geburtstagsgeschenks am VP (Auspacken ist Ehrensache)
Ich bin so unendlich glücklich, dass ich alle dabei habe und fühle mich noch immer erstaunlich gut und locker – die einfache Strecke liegt mir körperlich einfach sehr (auch wenn ich sie optisch nicht hübsch finde…)

Ein Gutschein für eine neue Sportbrille 🙂

Am Nordufer des Fuschlsee laufen wir wieder auf einem Schotterweg für Spaziergänger entlang. Ich sehe minutenlang keinen Läufer mehr, keine Markierung mehr. Bin ich noch richtig? Habe ich irgendwo eine Abzweigung verpasst? Ich bleibe stehen, schau mich um, krame das Handy raus – und ärgere mich nun auch über die Veranstaltung. Nach ca. 5 min kommen andere Läufer, an die ich mich hänge. Mit einem von ihnen werde ich nun die nächsten Kilometer gemeinsam, redend und schnaufend zurücklegen.
Nun fällt an immer mehr Stellen die fehlende Markierung auf und an einem VP gibt es außer Wasser auch nichts mehr anderes, weil alles ausgegangen ist. Ärgerlich, weil ich in etwas in der Mitte des Teilnehmerfeldes laufe.

An der Streckencharakteristik ändert sich nun nichts mehr, dafür bekomme ich noch zweimal Unterstützung vom Fanclub, bevor es langsam zu dämmern beginnt. Übern Nockstein geht es hinüber und rein in die Ausläufer von Salzburg. Nun bin ich kaputt und will ins Ziel.
Ich laufe wieder alleine und freue mich nun, Salzburg erreicht zu haben. Aber man will uns nicht direkt zur Salzach und in die Innenstadt schicken, sondern führt den Kurs nach über den Kapuzinerberg mit all seinen Stufen. Nötig? Nein. Hat darauf noch jemand Lust? Wahrscheinlich auch Nein. Oben angekommen stehe ich nun in der Dunkelheit an einer Weggabelung – und stehe da und gucke blöd. Wo ist die Markierung? Ich finde sie am Boden liegend; der Wind hat das Flatterband gelöst. Und nun? Ich weiß, wo das Ziel liegt, ich weiß wo die Salzach ist und ich weiß, dass ich zur Salzach hinunter muss. Also entscheide ich mich einfach für einen Weg und laufe los und hinab – es war nicht der richtige Weg, aber ich treffe unten wieder auf den korrekten. Jetzt bin ich echt angepisst.

Im Ziel warten Mareike und mein Papa auf mich. Ich bin noch vor Mitternacht zurück und darf noch an meinem Geburtstag den zweiten Teil von meinem Geschenk auspacken (Mareike hatte mir „angedroht“, dass ich es nicht erhalte, wenn ich zu langsam wäre 😉 Die Zielverpflegung ist schon völlig geplündert und das Ziel wird schon abgebaut – obwohl ich weder zu langsam war, noch zu den letzten Läufern gehöre. Ein No-Go! Wenn sie keine Geduld für die lange Distanz haben, dann sollen sie sich nur auf die kürzen konzentrieren und den namensgebenden Lauf streichen! Das nette Zielfoto mit Bilderrahmen tröstet darüber auch nicht mehr hinweg. Eine solche Orga ist mir tatsächlich noch nie begegnet…

Geschafft – und noch rechtzeitig für den zweiten Teil des Geschenks


Euer Thorsten

PS: Im Nachgang gab es eine Teilnehmerbefragung; laut offizieller Auswertung wurden sie auf höchste gelobt, vor allem, was die Streckenmarkierung abelangt…

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