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Balatonfüred und die Halbinsel Tihany- du schönes Ungarn

Vorwort

  • 23. und 26. Juni 2022

Ach Ungarn – ich verstehe dich nicht immer. So ein stolzes Land, so ein schönes Land, so ein wunderbarer Menschenschlag. Unabhängigkeit und Freiheit scheinen euch wichtig zu sein – und dann gebt ihr Stück für Stück eure Freiheit an eure Politiker ab, in der Hoffnung, sie nicht an Europa abgeben zu müssen… Ich verstehe euch nicht immer.

Für mich war dieser Trip ein Stück weit eine Reise in meine eigene Vergangenheit. Mein allererster Besuch am Balaton, genauer gesagt in Balatonfüred, fällt in den Sommer 1990 – kurz vor der deutschen Wiedervereinigung und noch vor der endgültigen Auflösung der Sowjetunion. Daraufhin sind wir als Familie über viele Jahre jeden Sommer für zweieinhalb Wochen dorthin gefahren. Eine wunderschöne Kindheitserinnerung!

Was hat sich vor Ort verändert? Bestimmt einiges, und manches wahrscheinlich auch überhaupt nicht. Was wir als Kinder dort allerdings nie gemacht haben: Wandern!

Mit riesiger Vorfreude stürzten Mareike und ich uns in zwei Wandertouren, da wir schlichtweg keine Vorstellung davon hatten, welche Wege, Vegetation und landschaftlichen Unwägbarkeiten uns erwarten würden. Also los!

Hafen von Balatonfüred mit zahlreichen Segelbooten am Abend

Tour 1: Die grüne Wildnis im Norden von Balatonfüred

Vom Parkplatz aus ging es nach einer kurzen Aufwärmphase auf Asphalt bei brütender Hitze direkt steil aufwärts zum Hausberg der Stadt. Tritt für Tritt arbeiteten wir uns über hölzerne und steinige Stufen hinauf zum Gipfelkreuz. Der Ausblick auf Ort und See ist ein absoluter Traum! Die hochsommerlichen Temperaturen scheinen sich seit meinen Kindheitstagen nicht verändert zu haben: Der Schweiß lief in Strömen, doch Schatten war im Wald glücklicherweise bald zu finden. Der Wald zeigte sich überraschend viel dichter und grüner, als ich es bei der anhaltenden Trockenheit vermutet hätte.

Den höchsten Punkt des Berges markiert ein hölzerner Aussichtsturm mitten im dichten Blätterdach. Mareike wollte sich den zusätzlichen Aufstieg sparen und ich steuerte eine schattige Bank für sie an – bis ich kurz darauf erschrocken rief, sie solle augenblicklich wieder aufstehen! Grund dafür: Das Gebüsch direkt hinter der Sitzbank war übermächtig von Eichenprozessionsspinnern befallen. Nicht gerade der beste Rastplatz – das hätte mir wahrlich früher auffallen können.

Während ich über steile Leitern im engen Turm aufstieg, trafen unten zwei ältere einheimische Paare ein. Eine der Frauen begann sich direkt auf Deutsch mit Mareike zu unterhalten. Das sollte uns in dieser Woche noch etliche Male passieren: Viele Menschen sprechen lieber Deutsch als Englisch und suchen aufgeschlossen den Small Talk. Eine herzliche Offenheit, die man im heimischen Alltag manchmal vermisst.

Die Wegmarkierungen auf den Hauptwanderwegen waren erstaunlich gut gepflegt. Wir bogen schließlich ab und stiegen über steinige Wiesen mit weißem, in der Sonne strahlendem Gestein sowie schmale Singletrails wieder ab. Erst am Ortsrand führte uns der GPS-Track in eine Sackgasse – nicht jeder Pfad auf Komoot existiert eben auch in der Realität. Ein kleiner Umweg brachte uns zurück in ein dichtes Naturschutzgebiet, dessen schattiges Blätterdach hochwillkommen war, bevor es über einen beliebten Picknickplatz und eine Hochfläche zurück ins Ortszentrum ging.

Das Fazit des ersten Ausflugs: Grüner, wilder und deutlich besser markiert als gedacht!

Tour 2: Lautstarke Grillen und Steilklippen auf Tihany

Nach meinem vorherigen Laufausflug auf die Halbinsel Tihany war ich von diesem Fleckchen Erde so angetan, dass ich Mareike unbedingt daran teilhaben lassen wollte. Die Rahmenbedingungen blieben tropisch: Selbst nachts sank das Thermometer nicht unter 23 °C, beim Einschlafen waren es noch über 30 °C.

Am Hafen unterhalb der historischen Altstadt parkten wir und stiegen sogleich steil auf. Ich kann euch versichern: Das Nordufer des Balatons ist vieles, aber ganz bestimmt nicht flach!

Durch felsiges Terrain schlängelte sich der Pfad durch die sonnenverwöhnte Landschaft. Überwältigend war vor allem die Geräuschkulisse: Das Zirpen der Grillen war ohrenbetäubend laut – so etwas habe ich noch nirgendwo anders erlebt! Auch hier waren die Markierungen fantastisch, wenngleich die ungarischen Schilder für uns schwer verständlich blieben.

Wir durchquerten die Halbinsel einmal komplett, bevor der anspruchsvollste und zugleich schönste Abschnitt folgte: Die Westseite kommt völlig ohne Küstenstraße aus. Wir wanderten stetig aufwärts entlang einer imposanten Steilklippe mit spektakulärem Blick auf den westlichen Teil des Binnensees – ein absoluter Traumabschnitt!

Obwohl uns die Hitze langsam zusetzte, durchquerten wir die Halbinsel auf einem sandigen, staubtrockenen Pfad erneut. Vorbei an Weinstöcken ging es durch eine schattlose Senke zum Ort Tihany. Von hier oben erblickten wir zum ersten Mal die West- und die Osthälfte des Balatons auf einen Streich – ein fantastisches Gefühl. Den Abstieg zurück zum Auto legten wir an den historischen Wohnhöhlen der mittelalterlichen Eremiten vorbei.

Zur verdienten Belohnung gab es im Ziel ein eiskaltes, alkoholfreies Radler und einen ordentlichen Lángos mit reichlich Käse. Köstlich!

Euer Thorsten

STRAVA

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