Vorwort
- Samstag, 29. Oktober 2022
- 46 km + 2100 HM
- 7h 23min 54sec
„Wenn ich die Zivilisation hinter mir lasse, fühle ich mich sicher.“
Heinrich Harrer
Ein Klassiker im schönen Frankenland
Der Klassiker ruft – und wie so oft erwischt es mich genau dann, wenn ich gesundheitlich angeschlagen bin. Ein leichter Schnupfen und dieses unbestimmte Gefühl, nicht ganz auf der Höhe zu sein, würden mich im normalen Alltag kaum vom Laufen abhalten. Aber gleich so ein dickes Brett bohren? Am Vortag war ich extrem unschlüssig. Immerhin stand nun der zweite von insgesamt vier Ultras an vier aufeinanderfolgenden Samstagen an – Nummer eins war geschafft, aber drei und vier wegen Nummer zwei riskieren? Vor allem die Läufe drei und vier liegen mir besonders am Herzen, und die wollte ich auf keinen Fall gefährden.


Meine Mareike hatte jedoch die berechtigte Befürchtung, dass ich sehr unausgeglichen sein würde, wenn ich es nicht wenigstens versuchte. Also ließ ich mich am Morgen von Flo abholen und nach Pommelsbrunn chauffieren. Ein gemeinsamer Lauf war allerdings von vornherein vom Tisch: Ich wollte mich voll und ganz auf meinen eigenen Rhythmus konzentrieren und das Tempo bewusst herausnehmen.












Hier schlägt das Herz des Trailrunnings: Der Pommel2K basiert auf dem bekannten 1000 Höhenmeter Rundwanderweg rund um Pommelsbrunn. Geografisch befinden wir uns hier in der wunderschönen Hersbrucker Alb, einem Teil des Süddeutschen Schichtstufenlandes. Geologisch ist die Region von den markanten, rauen Kalksteinfelsen des Weißen Jura (Malm) geprägt. Für uns Läufer bedeutet das: knackige, steile Anstiege, schmale Felspfade und ein ständiges Auf und Ab über urige Karstlandschaften. Wer diese Runden absolviert, bekommt die geballte landschaftliche Schönheit der Frankenalb zu spüren – garniert mit spektakulären Ausblicken und anspruchsvollem Terrain.
Was soll ich sagen? Der Plan, es ruhig anzugehen, ging voll auf! Flo legte eine erstklassige Zeit hin, während ich die ersten beiden Runden entspannt und ohne jeglichen Druck zusammen mit Frank und Christian absolvierte. Später schloss Gerhard zu uns auf. Da er ein etwas zügigeres Tempo anschlug als meine bisherigen Begleiter, streiften wir fortan zu zweit durch die herbstlichen Wälder. Als gegen Ende der vierten und letzten Schleife auch noch Bernd zu uns stieß, war das Trail-Glück perfekt.
Ganze siebeneinhalb Stunden quatschte ich mit diesen vier großartigen Menschen über Gott und die Welt – die Zeit verging wie im Flug. Andere Mitstreiterinnen wunderten sich zwar, woher wir nach all den Kilometern noch die Luft zum Reden nahmen, aber am Ende sind eben auch wir Männer sehr kommunikative Wesen!
Bei spätsommerlichen Temperaturen von bis zu 20 °C, strahlendem Sonnenschein und unendlichen Laubteppichen kam eine fantastische Herbststimmung auf. Den perfekten Abschluss fand dieser gelungene Tag in einer gemütlichen Runde auf Klappstühlen am Zielort.
Euer Thorsten


