Auf einen Blick
- Datum: Freitag, 21. Mai bis Montag, 24. Mai 2021 (Pfingsten)
- Strecke (Freitag): 62 km Ultra-Distanz (Schwabach nach Oed)
- Strecke (Samstag): Ausgiebige Familienwanderung rund um Oed, Lichtenegg & Hartmannshof
- Strecke (Sonntag/Montag): Trailruns über den Knappenberg, Lehendorf & Röthenbach
- Begleitung: Mareike, Thorstens Eltern, Flo & befreundete Familie
- Charakter: Eine emotionale Rückkehr an einen Herzensort – Verbindung aus Ultralauf, Familienwanderung, Trailrunning und Hüttengaudi im Nürnberger Land.
"Wir leben in einem gefährlichen Zeitalter. Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen."
Albert Schweitzer
Vorab: Die Magie eines ganz besonderen Ortes
Oed ist ein kleiner Ort in der Gemeinde Weigendorf im Kreis Amberg-Sulzbach in der Oberpfalz – kann man kennen, muss man aber nicht. Was mich mit diesem auf den ersten Blick unscheinbaren Fleckchen Erde verbindet? Viel! Extrem viel!
Mit 18 Jahren lernte ich dort die Wanderhütte des Trubachtaler Vereins kennen, was ich meinem besten Freund zu verdanken habe. In den darauffolgenden drei Jahren verbrachten wir so unglaublich viele Wochenenden, Urlaube, Silvesterfeiern und Geburtstage draußen in der Natur. Wir feierten, arbeiteten an der Hütte, lernten neue Dinge und sprachen über die wirklich wichtigen Themen des Lebens. Diese Jahre möchte ich um keinen Preis der Welt missen – sie waren prägend für meinen Lebensweg. Und als Krönung habe ich auf eben dieser Hütte auch noch meine erste Frau kennengelernt… Wenn ich sage, dass mir die Erlebnisse auf dieser Wanderhütte unendlich viel bedeuten, dann ist das keine Übertreibung, sondern reine Dankbarkeit.
📌 Infobox: Die Gemeinde Weigendorf & das Tal von Oed
- Geografie: Die Gemeinde Weigendorf liegt im westlichen Landkreis Amberg-Sulzbach (Oberpfalz), eingebettet in die hügelige Landschaft der Fränkischen Alb.
- Wanderregion: Das Tal um Oed zeichnet sich durch seine naturnahen Mischwälder, markanten Dolomitfelsen, Höhlen und traditionellen Wanderhütten aus. Es dient als ruhiges Naherholungsgebiet abseits des Massentourismus.
Die Ausgangslage: Pfingstglück & spontane Pläne
Freitag, Samstag, Sonntag und Pfingstmontag frei! Was stellt man mit so einer perfekten Konstellation an? Da Hotels in diesen Corona-Zeiten noch geschlossen hatten, galt es umso mehr, kreativ zu werden. Eine vorsichtige Anfrage bei der Hüttenverwaltung brachte das erhoffte Glück: Die Hütte war frei!
Schnell reifte ein wunderbarer Plan: Von Freitag bis Sonntag würden meine Eltern mit uns auf die Hütte kommen, und von Sonntag auf Montag luden wir eine befreundete Familie samt meinem lieben und geschätzten Laufpartner vom Morgenspaziergang dem Flo ein. Ein Blick auf den Kalender – die Planungen gingen perfekt auf!
Raus auf die Hütte: 62 Kilometer Anlauf nehmen
Da Mareike am Freitag noch arbeiten musste, stellte sich für mich die Frage: Wie nutze ich den freien Vormittag am besten? Kurzerhand warf ich Komoot an und gab die Direktverbindung Schwabach – Oed ein. Die direkte Route ergab knapp 50 Kilometer. Mit ein paar Schlenkern über schönere Wege landete ich schließlich bei 62 Kilometern. Das klang nach einer machbaren und reizvollen Herausforderung!
Mit Mareikes Segen und nach einem ordentlichen Frühstück ging es kurz vor 8:30 Uhr morgens auf die Strecke. Das Wetter zeigte sich windig, regnerisch und nicht wirklich warm. Ich packte 1,5 Liter Wasser ein und trabte locker los.
Über Wendelstein ging es zügig nach Feucht. Die meisten von Komoot angedachten Wege waren erstaunlich gut laufbar – was bei automatischen Routenplanungen keineswegs selbstverständlich ist. Doch nach Ungelstetten, auf Höhe des Autobahnkreuzes, wandelte sich das Bild: Aus ausgebauten Wegen wurden Rückewege oder gar weglose Passagen. Sie bremsten mich spürbar aus und kosteten ordentlich Körner. Mein Wasserverbrauch stieg schneller als gedacht…

📌 Infobox: Das Waller Tal & die Langlauf-Region Waller
- Waller: Ein kleiner Weiler westlich von Alfeld, der Wintersportlern im Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen als traditionsreiches Langlaufzentrum bekannt ist.
- Landschaftscharakter: Die Hochfläche um Waller ist geprägt von weitläufigen, windanfälligen Agrarflächen, markanten Windrädern und schier endlosen Wirtschaftswegen.
Durch die Monotonie zum Trail-Paradies
Eigentlich lag ich gut in der Zeit, um die angedachten 7 bis 8 Stunden zu unterbieten. Doch dann erreichte ich die weite, offene Landschaft westlich von Waller.
Dieser Abschnitt war mir noch vom Paul-Pfinzing-Weg in schlechter Erinnerung geblieben. Damals schob ich meine zähe Laune auf die Hitze und Erschöpfung. Doch jetzt wurde mir klar: Dieser Abschnitt ist einfach extrem monoton! Ich wurde spürbar langsamer und fühlte mich geschlaucht. Um den Kopf aufzurichten, schaltete ich die Musik-Playlist vom Transalpine Run (TAR) ein – und siehe da, die Motivation kehrte zurück! Als der Regen erneut einsetzte, zog ich geduldig die Regenjacke an. Früher war ich oft zu faul, den Rucksack abzusetzen, und habe dafür bitter bezahlt. Heute war ich schlauer.
Nördlich von Alfeld wendete sich das Blatt schlagartig: Ein wunderschöner Singletrail spuckte mich aus und führte mich direkt ins Schottenloch. Dieses Naturschutzgebiet begeistert durch seinen idyllischen Bachlauf und saftig grüne Wiesen. Bei drei Bachdurchquerungen holte ich mir herrlich nasse Füße – eine kindliche Freude mitten im Ultralauf!

📌 Infobox: Das Naturschutzgebiet Schottenloch
- Besonderheit: Das Schottenloch ist ein geschütztes Bachtal nahe Alfeld.
- Landschaftspflege: Um das Tal vor der Verbuschung zu bewahren und den artenreichen Magerrasen zu erhalten, werden gezielt Schafherden als natürliche „Rasenmäher“ eingesetzt.

Durch ein kleines Gatter ging es hinauf auf die Schafweide. Mitten zwischen den Tieren fühlte ich mich so lebendig wie schon lange nicht mehr. Der steile Singletrail hinauf nach Heldmannsberg war genial, doch meine Wasservorräte waren nun komplett aufgebraucht – 1,5 Liter waren definitiv zu wenig gewesen.
Über eher unspektakuläre Waldwege erreichte ich Haunritz. Auf süßen Pfaden gelangte ich zu einer frischen Quelle, an der ich eiskaltes, glasklares Wasser auffüllen und nach Herzenslust trinken konnte. Die verbleibenden Kilometer über Weigendorf nach Oed waren danach nur noch reine Genusssache!
Mit langsameren Schritten durch die Natur: Die Familienwanderung
Der Samstag stand im Zeichen der Familie. Mareike und meine Eltern ließen mir bei der Tourenplanung freie Hand. Ich nutzte die Chance für eine ausgiebige Wanderung direkt ab der Hütte, um stressige Anfahrten zu vermeiden.
Unsere ersten Schritte führten uns nach Ernhüll zum sogenannten „Panoramakino“ – einem wunderschönen Aussichtspunkt mit Blick auf die umliegenden Hänge, Wälder und den Steinbruch. (Wer allerdings auf die Idee kam, das Ortsschild genau in die Sichtachse zu stellen, bleibt ein Rätsel…)

Unser Hauptziel war die Burgruine Lichtenegg. Durch den Biergarten der – leider noch geschlossenen – Gaststätte stiegen wir auf zur Ruine mit ihrer grandiosen Weitsicht. Lichtenegg ist sicherlich kein Geheimtipp, aber an einem sonnigen Tag wie diesem ist sie jeden Besuch wert. Ein Wermutstropfen: Die Höhenmeter-Berechnung von Komoot erwies sich erneut als eklatante Fehlkalkulation. Für mich kein Problem, aber meine Mitwanderer kostete der zusätzliche Anstieg ordentlich Kraft.
In Haunritz legten wir am Dorfplatz eine gemütliche Rast ein. Bei herrlichem Sonnenschein verzehrten wir die gegrillten Bratwürste vom Vorabend und genossen ein kühles Wegbier. Bezaubernd war auch der Abstieg nach Haunritz über eine steile, steinige Hanglandschaft mit Trockenrasen und freiem Blick auf den Kletterfelsen Alter Fritz.

📌 Infobox: Burgruine Lichtenegg & Der Kletterfelsen Alter Fritz
- Burgruine Lichtenegg: Mit 585 m ü. NHN ist die hochmittelalterliche Burgruine einer der höchsten Punkte im Landkreis Amberg-Sulzbach in der Gemeinde Birgland (welche zahlreiche sehr gute Wanderwege bietet) und bietet einen unvergleichlichen Panoramablick über die Oberpfalz und Mittelfranken.
- Alter Fritz: Eine markante Dolomitfelsnadel bei Haunritz, die als geschätztes Klettergebiet in der Frankenjura-Szene bekannt ist und zu Füßen das gleichnamige, sehr gute Gasthaus anbietet.
Weiter ging es nach Hartmannshof. Auf einem für mich neuen Pfad passierten wir das Zementwerk und stiegen steil auf zur Hochfläche von Hunas. Direkt oberhalb der Abbaukante des Steinbruchs wird einem die gewaltige Dimension dieses menschlichen Eingriffs erst richtig bewusst. Die letzten Meter hinunter nach Oed, vorbei an der alten Mühle und steil hinauf zur Hütte, schlauchten meine Mitstreiter gewaltig. Es war länger und höher als geplant – aber auch um ein Vielfaches schöner!
Trailrunden zwischen Knappenberg & Lehendorf
Sonntagmorgen: Das Wetter zeigte sich bescheiden – kalt und nass. Perfekte Zeit für den Knappenberg!
Dumm nur, dass ich auf dem Weg zur Skisprungschanze von Etzelwang versehentlich auf den Aus-Knopf meiner Laufuhr kam… Und danach wollte das GPS einfach kein Signal mehr finden. Es ärgerte mich kurz, aber ich ließ mir die Freude nicht nehmen. Der Weg hinauf und über den Knappenberg ist ein absoluter Traum. Hier konnte ich komplett abschalten. Über Ernhüll, Weigendorf und die ehemalige DB-Ferienanlage Luginsland ging es auf feinen Trails und schnellen Straßen-Downhills zurück.

Am Montag folgte eine weitere Trailrunde im geliebten Umfeld: Durch dunkle Wälder, über Felder und durch eine Allee lief ich hinab nach Lehendorf. Der Hang-Singletrail hinüber zur DAV-Hütte Röthenbach ist schlichtweg genial! Weiter ging es nach Deinsdorf und über meinen kleinen „Speedtrail“ hinab nach Oed. Den finalen Hüttenanstieg auf der Straße drückte ich noch einmal steil nach oben, um die Pumpe richtig zu fordern.
Fazit: Erfüllte Tage an einem Ort des Herzens
Wie beurteile ich dieses lange Pfingstwochenende? Wunderbare Menschen, eine traumhafte Landschaft, das Wetter nicht immer perfekt – aber für mich persönlich ein durch und durch erfülltes Wochenende. Danke für diese wertvolle Zeit in der Natur!
Euer Thorsten


