Vorwort
- Montag, 3. Oktober 2022
- 13 km + 290 HM
- 3h 11min
- Rundweg
„Mein Baum war schattendicht, o Herbstwind, komm und zeige, indem du ihn entlaubst, den Himmel durch die Zweige.“
Friedrich Rückert
Zwei Tage nach dem anspruchsvollen Arberland Ultratrail sollte die erste Wanderung unseres Urlaubs vor allem eines sein: entspannt. Ein leichter Einstieg, um die Beine im „Woid“ wieder locker zu bekommen. Der Wanderführer versprach für diese Route gerade einmal magere 100 Höhenmeter – ein herber Irrtum, wie sich später herausstellen sollte, und diesmal lag es definitiv nicht an einem technischen Defekt unserer Uhren!

Steiler Auftakt zur Wallfahrtskirche Weißenregen
Mareike und ich entschieden uns dazu, die geplante Wanderrichtung spontan umzudrehen. Wir starteten am Parkplatz der Talsperre nahe Bad Kötzting, einem der bekanntesten Kurorte im Bayerischen Wald. Kaum losgelaufen, ging es auch schon direkt steil bergauf zum Ort Weißenregen und seiner weithin sichtbaren Wallfahrtskirche.


Während die Kirche von außen wie eine der vielen typischen, eher schlichten Dorfkirchen im ländlichen Raum wirkt, offenbart sich im Inneren eine echte Überraschung: Sie ist unglaublich reich verziert, prunkvoll ausgestattet und in einem hervorragenden Zustand. Ein absoluter Geheimtipp, der definitiv mehr als nur einen flüchtigen Blick wert ist.




Über den Riederberger Gipfel zum Schwarzen Regen
Nach diesem kulturellen Zwischenstopp führte uns der Weg tiefer in den dichten Forst hinein und hinauf zum Riederberger Gipfel. Auch hier zeigte sich der herbstliche Wald von seiner fruchtbaren Seite: Pilze über Pilze reihten sich am Wegesrand auf, und wir trafen auf den einen oder anderen emsigen Schwammerlsucher.
Der Riederberger Gipfel selbst ist allerdings kein markanter, freistehender Berg, sondern gleicht eher einer dicht bewaldeten Hochfläche – landschaftlich schön, aber wenig spektakulär. Beeindruckend waren jedoch die riesigen Gesteinsbrocken, die links und rechts des Pfades lagen und der Szenerie einen wilden Touch verliehen.
Der anschließende Abstieg über einen wurzeligen, sehr kurzweiligen Pfad machte richtig Spaß. Am Wegrand entdeckten wir ein kleines, steinernes Denkmal. Wer es wohl dort aufgestellt hat und aus welchem Grund? Während ich noch über diese Rätsel nachgrübelte, erreichten wir das imposante Wasserkraftwerk am Schwarzen Regen.




Entlang des Flusses zurück zum Blaibacher See
Unten angekommen stellten wir fest: Der Kiosk hatte geschlossen, und die örtliche Gaststätte hat ihre Pforten anscheinend sogar für immer geschlossen. Während hier im Sommer zur Hauptsaison vermutlich reges Treiben herrscht, lag der Ort nun in einer tiefen, herrlichen Ruhe da. So blieb uns genügend Zeit, um das beeindruckende Bauwerk der Talsperre aus der Nähe zu bewundern. Es ist immer wieder erstaunlich, zu welchen architektonischen Leistungen wir Menschen imstande sind – auch wenn sich mir als Laie sofort die Frage aufdrängte: Wie wartet man so eine riesige Betonmauer eigentlich, wenn sie irgendwann einmal zu bröckeln beginnt?
Mit diesen Gedanken im Gepäck machten wir uns auf den Rückweg, der uns stets am Flussufer entlangführte. Die ersten Kilometer verliefen auf einem schmalen, naturbelassenen Pfad ganz dicht am Wasser – eine wunderbar beruhigende Kulisse.
Mit der Zeit wurde der Weg jedoch immer breiter und ging unmerklich in den Blaibacher See über, der im Grunde eine weitere Aufstauung des Schwarzen Regens ist. Hier stieg die Dichte an Spaziergängern spürbar an, und der Untergrund wurde flacher und einfacher zu begehen. Aufgefallen sind uns die unzähligen, halb verfallenen Holzboote, die verlassen im Ufergestrüpp vor sich hin rotten. Wer hat sie hier einfach zurückgelassen?
So friedlich der Flussweg auch war: Über die Distanz hinweg zog sich das letzte Flachstück doch ganz schön in die Länge.
Unser Fazit
Wie bewerten wir diese Runde? Unser Urteil fällt recht gemischt aus. Einigen wirklich schönen Abschnitten und kulturellen Highlights wie der Wallfahrtskirche stehen auf den 13 Kilometern leider auch einige zähe Längen gegenüber. Für uns steht fest: Ein zweites Mal würden wir diese Route wohl nicht wandern.
Euer Thorsten


