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Thanngraben und Sophienquelle Runde – mehr Brücken und weniger Mauern

„Die Menschen bauen zu viele Mauern und zu wenig Brücken.“

— Sir Isaac Newton

Auf einen Blick
DatumKarfreitag, 15. April 2022
Strecke21,4 km
Höhenmeter+270 HM
Dauer4 Std. 20 Min.
BegleitungSolo
Ausrüstung/CharakterRundweg / Frühlingswanderung über Waldtrails & Binnendünen

Vorwort: Innehalten am Osterwochenende

Am Waldparkplatz bei Schwarzenbruck startete diese Karfreitags-Tour. Über gut ausgebildete Wege führte die Route zuerst hinüber zum Areal der Diakonie Rummelsberg – ein erstaunlich weitläufiges Gelände, das mir in dieser Dimension bisher völlig verborgen geblieben war!

Holzbrücke über einen Bach mit Wanderwegmarkierungen an einem Geländerpfosten

Vom Waldfriedhof in den Thanngraben

Vorbei am Waldfriedhof Rummelsberg – wo die Verstorbenen nicht in klassischen, ausladenden Gräbern ruhen, sondern schlichte kleinen Tafeln unter den Bäumen an sie erinnern – ging es direkt hinein in den Thanngraben.

Der Wanderweg schlängelte sich abwechslungsreich durch dichteren Wald. Zumindest dann, wenn man ausblendet, dass nur wenige Meter daneben ein breiter Schotterweg verläuft! Auf jeden Fall bot der Abschnitt eine perfekte Gelegenheit zum tiefen Durchatmen und Entspannen. Passend zu den Feiertagen säumten verschiedene Thementafeln zu Jesu Leben und Wirken den Wegesrand.

Es folgten viele angenehme, wenn auch unspektakuläre Kilometer bei bestem Frühlingswetter. Nicht jede Tour kann permanent mit dramatischen Höhepunkten gespickt sein – kurzweilig und erholsam blieb es allemal.

Infobox: Historie & Sozialgeschichte – Die Rummelsberger Diakonie

Gründung & Entwicklung: Die Rummelsberger Diakonie wurde 1890 im Schwarzenbrucker Ortsteil Rummelsberg als Ausbildungsstätte für Diakone gegründet. Was mit einem einzelnen Brüderhaus begann, entwickelte sich zu einem der größten diakonischen Träger in Süddeutschland mit Schwerpunkten in der Alten-, Jugend- und Behindertenhilfe.

Waldfriedhof & Bestattungskultur: Der Waldfriedhof Rummelsberg gilt als frühes Beispiel naturnaher Bestattungskultur. Statt ausladender Grabmäler fügen sich schlichte Inschriftentafeln harmonisch in den Waldboden ein und spiegeln den diakonischen Grundgedanken von Bescheidenheit und Gleichheit wider.

Infobox: Geologie & Naturraum – Der Thanngraben im Mittleren Keuper

Geologische Formation: Der Thanngraben ist eine tief eingekerbte Schlucht (Klinge) im Burgsandstein des Mittleren Keupers. Über Jahrtausende hat sich das Wasser durch die mächtigen Sedimentgesteinsschichten gegraben.

Schluchtwald-Biotop: Durch das feuchtkühle Mikroklima im Tal Grund gedeihen hier spezialisierte Farne, Moose und Totholz-Biozönosen. Der schattige Bestand schützt den Boden vor schneller Austrocknung und bildet ein wichtiges Rückzugsgebiet für Amphibien.

Die Sophienquelle und der verlassene Steinbruch

Die Sophienquelle selbst präsentierte sich als gefasstes gemauertes Becken mit sanftem Abfluss in einen kleinen See. Mitten im dichten Wald gelegen ist dieser Anblick jedes Mal aufs Neue faszinierend – auch wenn man sich unweigerlich die Frage stellt, ob man aus einer solchen historischen Anlage touristisch nicht noch mehr rausholen könnte.

Infobox: Kulturdenkmal & Hydrologie – Die Sophienquelle bei Grünsberg

Barocke Gartenarchitektur: Die Sophienquelle nahe Schloss Grünsberg wurde zwischen 1720 und 1728 von Johann Jobst Christoph von Stromer zu Ehren seiner Gemahlin Sophia Clara errichtet. Inspiriert von italienischen Nymphäen stellt sie eine der größten gefassten Barockquellen Deutschlands dar.

Hydrologischer Hintergrund: Als typische Schichtquelle tritt das Wasser an der Nahtstelle zwischen durchlässigem Burgsandstein und undurchlässigen Tonmergel-Schichten aus. Das Quellhaus leitet das reine Wasser symmetrisch über künstliche Kaskaden ab.

Station 5a Brücken bauen: Informationstafel mit Newton-Zitat und Reflexionsfragen an einem Waldweg
Zu Ostern lassen sich verschiedene Tafel zu Jesus Leben und Wirken finden

Auf dem weiteren Weg machte ich eine spannende Entdeckung: Ein paar nicht übermäßig vertrauenerweckende, leicht zugewachsene Steinstufen führten abseits des Pfades hinein ins Unterholz. Meine Neugier war sofort geweckt! Die Stufen waren schnell erklommen und siehe da: Ich stand mitten in einem alten, verlassenen Steinbruch. Genau diese unverhofften Funde machen solche Ausflüge aus!

Zäher Ausklang an der Schwarzach

Der Rückweg an der Schwarzach entlang zog sich im Anschluss allerdings spürbar. War es der Dauer geschuldet, den absolvierten Kilometern oder der Monotonie? Vermutlich Letzteres: Kerzengerade verläuft der Fränkische Dünenweg hier durch das breite Flusstal und bietet dem Auge über längere Zeit wenig Abwechslung.

Infobox: Geologie & Ökologie – Die Binnendünen im Nürnberger Becken

Postglaziale Sandverwehung: Gegen Ende der letzten Eiszeit wehten starke Westwinde feinkörnigen Sand aus den kargen Flussauen auf. Es entstanden weitläufige Binnendünen-Formationen, die heute seltene Magerrasen-Standorte bilden.

Spezialisierte Flora & Fauna: Die extrem trockenen, nährstoffarmen Sandböden bieten Lebensraum für spezialisierte Arten wie die Blauflügelige Ödlandschrecke, Silbergras und Kiefern-Mischwälder.

Alles in allem war es am Karfreitag dennoch eine rundum gelungene Wanderung mit 21,4 Kilometern und 270 Höhenmetern in 4 Stunden und 20 Minuten – ein Paar richtig schöne, entspannte Stunden in der fränkischen Natur!

Euer Thorsten

STRAVA

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