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Hechlingen – Ruine St. Katharinen-Kapelle und die Steinerne Rinne

„Vom Berge rinnt der Quell im stillen Lauf, baut Stein aus Wasser nach des Schöpfers Walten; die alte Ruine blickt zum Hain hinauf, wo Zeit und Wind die Landschaft stetig gestalten.“

— Frei nach Johann Wolfgang von Goethe

Auf einen Blick
DatumSamstag, 27. März 2021
Strecke8,0 km
Höhenmeter+220 HM
Dauer2 Std. 4 Min.
BegleitungMareike
Ausrüstung/CharakterRundweg, leichte Anstiege, feuchte Fels- & Wurzelpfade, windfeste Bekleidung

Aufbruch am Hahnenkamm: Auftakt in Hechlingen

Sonnige, aber sehr windige Bedingungen sind vielleicht nicht perfekt, aber auf keinen Fall ein Spaßverderber. Die frische Luft des Frühjahrs streift über die Hügelketten des Hahnenkamms, der südwestlichen Ausläufer der Fränkischen Alb. Wer regelmäßig auf heimischen Pfaden unterwegs ist, schätzt genau diese kühlen März-Tage, an denen das Licht ungehindert durch die noch kahlen Baumkronen fällt und die Landschaft scharf gezeichnet am Horizont steht.

So startet die Tour voller Freude am Rande der Ortschaft Hechlingen am See auf einem Wanderparkplatz mit hübschem Spielplatz. Der Ort selbst fügt sich harmonisch in die Mulde des Rohrbachtals ein. Die Vorfreude auf die vor uns liegende Schleife ist groß, denn der Hahnenkamm vereint geologische Seltenheiten, sakrale Baugeschichte und urige Landschaftsformen auf kleinstem Raum.

Der Aufstieg zur Burgweg-Hütte westlich des Ortes ist bei den sonnendurchflutenden Laubbäumen ein wunderbares Vergnügen – der erste von zwei Hügeln ist ohne Anstrengung zu erreichen. Die Schritte finden schnell einen gleichmäßigen Rhythmus über den weichen Waldboden. Die Sonnenstrahlen tanzen zwischen den Buchenstämmen, während der Wind oben in den Wipfeln rauscht. Ein Genuss! An der Burgweg-Hütte angekommen, öffnet sich bereits ein erster schöner Blick zurück auf das Tal und die Dächer von Hechlingen.

Rustikale Schutzhütte aus Holzstämmen mit Bänken und Schild mit der Aufschrift Burgweg-Hütte mitten im Wald
Die Burgweg-Hütte

Das geologische Wunder: Die Steinerne Rinne bei Hechlingen

Runter nach Hechlingen und hinüber zur Steinernen Rinne! Der Weg führt uns in sanftem Abstieg hinab, bevor wir die schattige Flanke ansteuern, an der das Wasser aus dem Fels tritt. Das Naturschauspiel hat eine relativ simple physikalische Grundlage: Kalk- und kohlensäurehaltiges Wasser tritt aus dem Fels aus, die Kohlensäure verflüchtigt sich und der Kalk fällt aus und bildet eine sich stetig anwachsende Rinne. Ein Phänomen, welches sich an verschiedenen Stellen in Franken finden lässt, aber hier besonders schön sichtbar wird.

Infobox: Geologie – Entstehung der Steinernen Rinnen (Kalktuff-Sinterung)

Hydrologischer Prozess: Niederschlagswasser nimmt beim Durchqueren der kalkreichen Schichten des Oberen Jura (Malm) Calciumcarbonat auf. An der Quellspalte tritt das Wasser mit hoher Kohlensäurekonzentration an die Oberfläche.

Ausfällung & Vegetationsrolle: Sobald das Wasser mit der Luft in Berührung kommt, entweicht Kohlenstoffdioxid (CO²). Durch den Druckabfall, Erwärmung und den CO2-Entzug durch spezialisierte Moose (insbesondere das Starknervenmoos Cratoneuron commutatum) fällt der gelöste Kalk aus und lagert sich als poröser Kalktuff (Sinter) an den Rändern des Bachbetts ab. So wächst die Rinne jährlich um mehrere Millimeter empor.

Schutzstatus: Die Steinerne Rinne bei Hechlingen ist als geschütztes Geotop und Naturdenkmal ausgewiesen. Das Betreten der empfindlichen Kalkstrukturen ist streng untersagt, da der poröse Tuffstein leicht abbricht.

Das leise Plätschern des Wassers begleitet das Betrachten dieser natürlichen Steinrinne. Wie ein gläsernes Band schlängelt sich das kristallklare Nass über den Moosbewuchs auf dem selbstgebauten Kalksockel bergab. Es fasziniert immer wieder aufs Neue, mit welcher Geduld und Präzision die Natur über Jahrhunderte hinweg solche Bauwerke erschafft – ähnlich den Sinterstufen im Fränkischen Jura [Weißenohe – Lillachquelle: Sonne, Frühling, Ostern und mein Schatz].

Nahaufnahme der moosbewachsenen Steinernen Rinne bei Hechlingen, in deren schmaler Vertiefung Wasser fließt
Die Steinerne Rinne

Aufstieg zum Kapellenberg: Die Ruine St. Katharina

Der nun folgende Anstieg, der längste des Tages, auf die Anhöhe zur Kapellenruine St. Katharina ist eine sehr kurzweilige Angelegenheit und steigert die Vorfreude, denn die Ruine hält alles, was wir uns von ihr versprochen haben: Schöner Ausblick, idyllische und freistehende Lage, Ruhe. Wenn es auf der Freifläche nicht so windig wäre, dann würde ich mich am liebsten auf die Bank setzen und einfach nur genießen…

Infobox: Historie – Die Kapellenruine St. Katharina auf dem Hahnenkamm

Mittelalterlicher Ursprung: Die Kapelle wurde Mitte des 14. Jahrhunderts (ca. 1360–1380) durch die Grafen von Truhendingen als Wallfahrtskirche errichtet. Sie war St. Katharina von Alexandrien geweiht, einer der Vierzehn Nothelferinnen.

Niedergang & Verfall: Im Zuge der Reformation im 16. Jahrhundert verlor das Gotteshaus seine Funktion als Wallfahrtsort. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das Gebäude beschädigt und verfiel in den Folgejahrhunderten schrittweise zur Ruine.

Sicherung & Gegenwart: In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die verbliebenen Außenmauern baulich gesichert und konserviert. Heute steht die freigestellte Ruine als markantes Bodendenkmal auf dem Hochplateau und dient als Aussichtspunkt über den gesamten Hahnenkamm.

Die Ruine wurde baulich gesichert und kann gefahrlos betreten werden. In der Ruine offenbart sich eine ganz besondere Atmosphäre: Die wuchtigen Sandstein- und Kalksteinmauern umschließen den einstigen Kirchenraum, während nach oben hin der offene Himmel den Blick freigibt. Man tritt durch den alten Portalbogen, lässt die Hand über die rauen Quadersteine streichen und spürt den Geist vergangener Jahrhunderte. Ein Ort der Einkehr und Besinnung, wie man ihn an vielen geschichtsträchtigen Plätzen unserer Heimat vorfindet [Lichtenegg und die alten Steine – Vereinswanderung durch das Birgland zur Burgruine].

Einfach nur die Landschaft genießen – wenn es nicht so windig wäre. Der kühle Wind bläst stetig über das baumlose Plateau des Kapellenbergs. Aber genau diese Unverfälschtheit des Wetters lässt einen die Elemente spüren: Die Waden sind warm gelaufen, das Herz schlägt ruhig, und die Weitsicht über das Ries und das Altmühltal entschädigt für jeden böigen Windstoß.

Durch den Fels geschnitten: Der Hechlinger Hohlweg

So treibt es uns vom Hügel hinab, an dem alten, verkleinerten Bierkeller vorbei zum Hohlweg von Hechlingen, einem besonders stattlichen Exemplar dieses Wegtyps. Der Felsenkeller am Wegesrand erinnert an die traditionelle fränkische Bier- und Vorratshaltung, bei der die gleichbleibend kühle Tiefentemperatur des Berges genutzt wurde.

Infobox: Geomorphologie – Der Hechlinger Hohlweg (Geotop)

Entstehung durch Nutzung & Erosion: Der Hechlinger Hohlweg fräste sich über Jahrhunderte hinweg durch das Zusammenspiel von eisengezogenen Holzfuhrwerken, Viehabtrieb und abfließendem Oberflächenwasser in das weiche Gestein des Braungesteins (Opalinuston / Dogger Alpha).

Erscheinungsbild & Ökologie: Mit stellenweise über fünf Metern Tiefe gehört er zu den eindrucksvollsten Hohlwegen Mittelfrankens. Die steil aufragenden Wände offenbaren die fossilen Schichten des Fränkischen Jura. Die offenliegenden, urigen Wurzeln der Buchen und Eichen am oberen Einstieg bilden zusammen mit dem feuchtkühlen Mikroklima einen wertvollen Sonderlebensraum für seltene Moos- und Insektenarten.

Mareike wandert durch den tiefen Hechlinger Hohlweg vorbei an steilen Felswänden und kahlen Bäumen
Der Hechlinger Hohlweg

Tief eingegraben in den Fels zieht es sich abwärts, vorbei an Bäumen, mit wild wuchernden, offen liegenden Wurzeln – lohnenswert. Der obere Einstieg des Hechlinger Hohlwegs gleicht dem Tor zu einer verwunschenen Welt. Die Bäume klammern sich mit ihren gewaltigen Wurzelsträngen förmlich an die Felswände fest, während der schmale Pfad unten im kühlen Schatten abwärts führt. Wer technisches Terrain schätzt, findet auf dem naturbelassenen Untergrund herrliche Passagen zum runden, bewussten Setzen der Füße.

Der Rückweg am Bach entlang ist kurz und schließt diesen langen Spaziergang wunderbar ab. Gerne jederzeit wieder! Voller Dankbarkeit für diese friedlichen Augenblicke im Fränkischen Jura treten wir die letzten Schritte an.

Euer Thorsten

Thorsten steht unter einem Holzportal mit der Inschrift „AUG. + HECHLINGER-HOHLWEG + 2010“ und streckt die Arme nach oben
Der obere Einstieg

STRAVA

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