„Erst in der Einsamkeit des tiefen Schnees offenbart die Welt ihr reines Gesicht, und der Rhythmus des eigenen Schrittes wird zur einzigen Musik im Wald.“
— Theodor Fontane
Dem Schnee entgegen: Versteckte Pfade direkt vor den Toren der Stadt
Wir hätten problemlos auf den breiten, geräumten Waldwegen bleiben können, aber ich wollte meiner Mareike unbedingt die kleinen, versteckten Trails und die steilen Auf- und Abstiege zeigen, die sich direkt vor den Toren von Nürnberg im Dickicht verbergen. Es ist immer wieder einfach unglaublich, welch wilde und naturnahe Wege sich unmittelbar an den Stadtgrenzen finden lassen.
Der heutige Sonntag brachte Schnee und nochmal Schnee. Bei diesem Wetter war das Unterfangen definitiv nicht einfach zu begehen, aber genau dafür besonders spannend, fordernd und abwechslungsreich. Die schneebedeckte Landschaft verwandelte die bekannten Pfade in ein tiefverschneites Winterwunderland, in dem unzählige Abzweigungen möglich gewesen wären und zu immer neuen Entdeckungen einluden.
Geologie & Geschichte: Das Wernloch bei Worzeldorf ist ein ehemaliges Steinbruchareal im Mittleren Keuper, in dem über Jahrhunderte der feinkörnige, extrem verwitterungsbeständige Worzeldorfer Quarzsandstein abgebaut wurde. Dieser prägt zahlreiche historische Bauwerke der Region, darunter Teile der Nürnberger Stadtmauer und der Kaiserburg.
Naturreparatur & Biotop: Nach der Einstellung des Steinbruchbetriebs holte sich die Natur das zerklüftete Felsareal zurück. Heute bildet das Wernloch ein geschütztes Biotop mit steilen Sandsteinwänden, tiefen Waldtümpeln und Moosflächen, die seltenen Amphibien und Libellenarten als Rückzugsraum dienen.
Trail-Charakter: Ein dichtes Netz aus schmalen, teils wurzeligen Singletrails schlingert um die alten Abbaustellen und bietet gerade im Winter anspruchsvolles Terrain.



Höhenmeter und Spurensuche am Glasersberg
Auf der achteinhalb Kilometer langen Runde durch die verschneiten Hänge des Glasersbergs sammelten wir schlussendlich 130 Höhenmeter. Unter der geschlossenen Schneedecke erforderten die steilen Abschnitte volle Konzentration und gute Trittsicherheit.
Das Erkunden dieser verschneiten Trails vor der Haustür zeigt einmal mehr, dass das große Abenteuer oft genau dort beginnt, wo die asphaltierten Wege enden. Wenn man sich darauf einlässt, den bekannten Pfad zu verlassen, beschenkt einen die Natur mit echter Stille und unvergesslichen Augenblicken im Schnee.
Euer Thorsten


