„Wer den vorgezeichneten Pfad verlässt und sich dem Winken des Zufalls anvertraut, entdeckt die Welt nicht dort, wo alle suchen, sondern dort, wo der Schritt erstmals Spuren hinterlässt.“
— Frei nach Seneca
Die Idee: 8 Stunden nach Kompass – wohin die Flasche zeigt!
Man nehme eine leere Flasche eurer Wahl, drehe sie einmal kräftig auf dem Tisch und laufe anschließend ohne Wenn und Aber genau acht Stunden in die ermittelte Himmelsrichtung – eine so simple wie verrückte Idee! Wie Theodor Fontane einst über das Erkunden der Heimat schrieb: „Am Ende hängt doch alles an der Ausdauer und der Geduld; wer den alten Wegen mit Treue folgt, wird von der Geschichte reich belohnt.“ Beim Flaschendrehlauf überlassen wir diese Treue jedoch schlicht dem Zufall.
Um am Ende der acht Stunden nicht irgendwo im Nirgendwo zu stranden, ist ein verlässliches Support-Fahrzeug unumgänglich. Liebenswerterweise erklärte sich meine Mareike sofort dazu bereit, das Begleitfahrzeug zu steuern und uns auf der zweiten Streckenhälfte einzusammeln. Mit im Gepäck: frisch gekochte kanarische Salzkartoffeln (Papas arrugadas) – eine herrliche Ultraläufer-Nahrung, die ich beim Transgrancanaria (TGC) kennen und lieben gelernt habe. Im Vorfeld hatten wir besprochen, dass wir uns auf gut laufbare Wege beschränken und schmale Trails oder unwegsame Rückewege ausblenden würden, um ordentlich Strecke zu machen. Die Peilung sollte schließlich exakt eingehalten werden!
1. Die Peilung: Am Startpunkt bestimmt das Drehen einer Flasche die Himmelsrichtung in Grad (0°–360°), die kompromisslos eingehalten wird.
2. Die Improvisation: Da die Route nicht nach Lauffreudigkeit gewählt wird, konfrontiert das Format die Läufer oft mit zähen Abschnitten oder unverhofften Schönheiten.
3. Die Ziel-Romantik: Das Ziel entsteht erst unterwegs, was flexibles Live-Tracking und ein verlässliches Support-Team erfordert.
Das Startritual: Eine Weinflasche entscheidet über das Schicksal
Pünktlich um 8 Uhr morgens steht unser Trio vor Flos Haus und bewundert die aufgeworfene Flaschensammlung. Nun gilt es, das richtige Werkzeug für unser Schicksal zu wählen: Eine Weinflasche fränkischer Herkunft soll uns den Weg weisen. Bei so vielen theoretischen Himmelsrichtungen drehe ich ausgerechnet eine südöstliche Richtung von exakt 170°. Begeisterung sieht im ersten Moment anders aus… Aber gut: Ein Mann, ein Wort! Und wenigstens spielt das Wetter von der ersten Minute an perfekt mit.
Die ersten Stunden führen uns zunächst an Bekanntem vorbei, vorbei an heimischen Wegen und zähen Forstabschnitten. Doch von Stunde zu Stunde dreht die Landschaft. Nach dem Auftanken an einer eiskalten Quelle in Geyern, feinsten Hopfenkaltschalen in Nennslingen und schattigen Abschnitten finden wir uns plötzlich auf den baumlosen Magerrasenhängen des Anlautertals im Landkreis Eichstätt wieder – ein unerwartetes Naturjuwel!
Euer Thorsten
📌 Projekt-Kontext: Dieser Beitrag ist Teil der vielfältigen Aktivitäten rund um den Morgenspaziergang. Eine Gesamtübersicht aller unserer Ausflüge und Touren findest du hier: ☛ Morgenspaziergang
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