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2. Pommel2K – und der Wintereinbruch im Frühling

Blick aus dem Fenster

Ich glaub, ich sehe nicht richtig – Schnee so weit das Auge reicht! Wir haben März, 18. März, letzte Woche konnte ich kurz/kurz laufen und nun dies. -5°C und bis zu 15cm Neuschnee sind einfach klasse. Dies war nicht angekündigt und kein Räumdienst war darauf vorbereitet, also Zeitplan über den Haufen werfen und früher losfahren (nachdem das Fahrzeug regelrecht freigeschaufelt werden musste!) Pünktlich komme ich in Pommelsbrunn an, allerdings haben sehr viele Gemeldete die Anreise gemieden oder konnten nicht anreißen. Egal – die anderen lachen viel, machen blöde Witze und frieren bei tiefwinterlichen Bedingungen (im Frühling), während unser Organisator Gerhard, ganz der weiße Vater, zur Vorsicht mahnt. Zu absolvieren sind 46km und 2300HM in Form einer zweimal zu laufenden 8 auf dem fast schon legendären 1000 Höhenmeter Rundwanderweg, d.h. wir kommen insgesamt viermal wieder am Parkplatz an (das eröffnet dem Kopf ungeahntes Potential über eine Streckenverkürzung nachzudenken…), öffnen einen Bus und tragen unsere Durchgangszeit in die entsprechende Liste ein. Simpel, unkompliziert und in diesem Umfeld problemlos durchführbar. Den eigentlich ist es nur ein Einladungslauf und kein richtiger Wettkampf – trotz Aufnahme in die DUV-Statistik.

Los geht’s!

Zügig steigen wir die Nordrunde gegen den Uhrzeigersinn und damit gegen die gewohnte Laufrichtung dieser Strecke zum Zankelstein auf. Der Schnee scheint uns nicht sehr zu bremsen und in einer dreier Konstellation arbeiten wir uns in 85 min über die Strecke. Alles fühlt sich locker und leicht an und die Downhills laufen erstklassig.
Für mich ist dieser Wettkampf/Testlauf gleichzeitig auch eine Gelegenheit die neuen Hoka Mafate Speed 2 ausgiebig zu testen, um herauszufinden, ob sie für die 100 Meilen in Istrien in Frage kommen, denn die Schuhauswahl für den entscheidenden Saisonhöhepunkt in drei Wochen ist noch nicht getroffen… Ich suche einfach einen komfortablen und vor allem stabilen Trailschuh, der meine Zehen nicht zu sehr einengt. Wieviel Kraft der Schnee und das Tempo kosten, spüre ich zu diesem Zeitpunkt nicht, sondern freue mich darüber, dass Tom und ich von einem dritten Läufer, einem jungen Mann, der wesentlich stärker ist, begleitet werden. Vom Rest des Feldes sollten wir in all den Stunden praktisch niemanden mehr zu Gesicht bekommen! Völlig alleine sind wir unterwegs und es fühlt sich mehr nach einem Trainingslauf und weniger nach einer Veranstaltung an.

Die Stimmung lassen wir uns nicht vermiesen

Genauso zuversichtlich gehen wir auf die Südrunde (im Urzeigersinn) und marschieren und laufen die Anstiege wieder zügig hoch – jedoch nicht mehr mit der gleichen Lockerheit. Nun merke ich den Kraftaufwand immer deutlicher und spüre den Leistungsunterschied zu meinen beiden Mitstreitern. Ich bin der definitiv der Bremsklotz, kann aber nichts dagegen tun. Der Gedanke nach dieser oder der nächsten Runde abzubrechen schleicht sich in den Kopf; nur die wunderbare Winterlandschaft und die netten Gespräche lenken mich ab. Kurz vor dem Hohlen Fels und dem herrlichen Aussichtspunkt auf den Happurger Stausee  stoßen wir auf den einzigen anderen Läufer im Rahmen des Wettbewerbs und wechseln ein paar Worte (er wird nicht finishen – wie so viele an diesem Tag). Nach 116 Minuten erreichen wir den Parkplatz erneut und stellen beim Blick auf die Liste fest, dass wir trotz meines Gefühls von Schwäche uns genau in der Mitte des Teilnehmerfeldes bewegen!

Die zweite 8

Was stürmen die beiden so vorwärts? Im flachen laufe ich gut mit, aber der erneute Anstieg auf die Nordrunde (nun im Uhrzeigersinn) lässt mich zurück fallen. Schneeverwehungen lassen stellen entstehen, an denen sich das weiße Zeugs (es gehört jetzt nicht mehr hierher!)  bis zu 40cm auftürmt und keinen Gedanken an Laufen zulässt. Tom entschließt sich an dieser Stelle den jungen und sauschnellen Kollegen ziehen zu lassen und mit mir den Rest in Angriff zu nehmen. Wir nehmen Druck raus und siehe da, der Gedanke an ein DNF verschwindet.
Die Anstiege werden nicht leichter, aber die Belastung fühlt sich insgesamt stimmiger an und die Gewissheit, dieses Ding nach Hause zu laufen, ist wieder vorhanden. Danke Tom für deine Entscheidung!

Die Nordrunde bestreiten wir als Tandem ohne weitere Schwierigkeiten und gefühlt ohne großen Zeitaufwand bis zum Downhill beim Zankelstein – verdammt ist dieser glatt und rutschig. Das ich mich im Lauf dieses Tages kein einziges Mal in den Schnee legen sollte, grenzt schon an ein kleines Wunder!

Niemand soll im Uhrzeigersinn mit gegen den Urzeigersinn verwechseln 😉

14 Minuten länger benötigen wir für den dritten Teil dann doch und lassen eine Zeit unter 7 Stunden außer Reichweite kommen. Der verdammt steile Aufstieg zu Beginn der Südrunde (nun gegen den Uhrzeigersinn) bringt nun auch Tom aus der Komfortzone und lockt ihn aus der Reserve. Verdammt ist das steil und es wird nicht besser! Von dieser Richtung kommend, kann die Houbirg, ein alter Keltenwall, fast nur marschiert werden. Mehrere Kilometer sind nicht laufbar und kosten unglaublich viel Zeit.

Auf den freien Flächen pfeift der Wind immer noch und lässt die Finger vor Kälte nun schmerzen. Eigentlich braucht es die zweite Südrunde als Trainingslauf für mich nicht, jedoch will ich mir selbst beweisen, dass ich es schaffen kann. Die Anstiege, an denen wir gehen, werden leider immer flacher und ich spitze auf jeder Wandertafel nach den noch zu laufenden Kilometern. So ist es nicht verwunderlich, dass unser zweiter Abstecher nach Süden auch 25 Minuten länger dauern sollte, als beim ersten Mal. Das alles spielt jedoch keine Rolle mehr, als wir auf die finalen 2km in den Downhill gehen und wissen, dass kein einziger Anstieg mehr wartet – einfach nur laufen lassen und hoffen nicht zu stürzen, mehr brauchen wir nicht, um zufrieden zu sein. Das unser dritter Mann der ersten 8 uns noch 50min abgenommen hat, lässt uns jedoch mit offenem Mund zurück.

Ebenso überrascht uns die Vielzahl an Läufern, welche nach der zweiten oder dritten Runde ausgestiegen sind; von gut 40 gemeldeten Läufern, erreichen das Ziel nur etwas 20 kälteresistente Mitstreiter –  und lassen uns damit in der Ergebnisliste doch in das Hinterfeld rutschen.
Egal Mission geglückt: Ultratrail beendet, dem Wetter getrotzt und die Schuhe für gut befunden – die Schoki und das Bier daheim habe ich mir verdient!
Ergebnisse

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