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Morgenspaziergang Backyard Ultra Trail – die Premiere des MBUT

Auf einen Blick

  • Event: Morgenspaziergang Backyard Ultra Trail (MBUT) – Premiere
  • Datum: Freitag, 25. Juni 2021 (Start: 14:00 Uhr)
  • Distanz & Höhenmeter: 63,08 km | +461 HM (9 Runden)
  • Format: Backyard Ultra (6,706 km pro Stunde, Start zu jeder vollen Stunde)
  • Veranstaltungsort: TSV Katzwang 05 (Nebenplatz & Pavillons)
  • Organisation: Morgenspaziergang Gang (Flo, Hansi und Thorsten)
  • Wetter: Schwül-heiß, gefolgt von Unwetter mit massivem Starkregen
  • Charakter: Technisch fordernd (ca. 90 % Single-Trail-Anteil), schlammig, familiär, verdammt hart


"Manche Menschen können den Regen spüren. Andere werden nur nass."
Bob Marley

Die Vorbereitungen: Grüner Dschungel und meisterhafte Freundschaft

Ein unglaubliches Wochenende geht zu Ende! Unter Flos federführender Hand durften wir – die Morgenspaziergang Gang aus Flo, Hansi und mir – einen kleinen, feinen Einladungslauf im Backyard-Format auf die Beine stellen. Yeah! Gut 20 wackere und liebe Mitmenschen fanden sich am Freitag zum Start um 14 Uhr auf dem Gelände des TSV Katzwang 05 ein. Vielen herzlichen Dank an den Verein und hier vor allem Herr Kaden und Herr Welsch für die Erlaubnis zur Nutzung des Nebenplatzes und der Pavillons – ohne euch wäre die Umsetzung deutlich schwerer geworden!

Der Donnerstag verlangte uns organisatorisch noch einmal einiges ab. Leider musste ich länger in der Arbeit bleiben und konnte nicht bei allen Vorbereitungen von Anfang an helfen. Umso schneller bin ich nachgekommen, um mein Bestes zu geben: Rasenmähen und Zeltaufbau standen auf dem Programm. Das Gras kratzte allerdings schon fast an den Wolken, sodass wir am Freitagvormittag noch einmal ran mussten. Flo übernahm kurzerhand die nächtliche „Wache“ und schlief direkt auf der Wiese. Der Kerl ist einfach spitze – ich dagegen bekenne mich stolz als Heimschläfer!

Am Freitagmorgen vor dem Start hieß es also noch einmal: Rasenmäher anwerfen. Ganz ohne Druck starteten wir mit einem gemütlichen Bierchen in den Tag, bereiteten alles vor und warteten voller Vorfreude auf die ersten Mitstreiter.

📌 Infobox: Das Backyard-Ultra-Format

  • Das Prinzip: Ein Backyard Ultra ist eine Form des Ultramathons, bei der die Teilnehmenden exakt eine Runde von 6,706 Kilometern (4,167 Meilen) in unter einer Stunde laufen müssen.
  • Der Ablauf: Zu jeder vollen Stunde wird der nächste Durchgang gestartet. Wer die Runde schneller absolviert, hat die verbleibende Zeit bis zur nächsten vollen Stunde als Pause zum Essen, Trinken und Regenerieren. Wer die Runde nicht innerhalb der 60 Minuten beendet oder nicht pünktlich zum nächsten Startsignal an der Linie steht, scheidet aus.
  • Das Ziel: Der Lauf geht so lange weiter, bis nur noch eine Person eine vollständige Runde alleine absolviert. Alle anderen Starterinnen und Starter schließen das Rennen offiziell mit einem DNF („Did Not Finish“) ab.

Drei lächelnde Männer, Thorsten, Peter und Flo, machen im Freien ein Selfie und halten Bierflaschen in die Kamera
Kurz vor dem Start mit Peter vom Laufend Entdecken Podcast

Spotify und der Ursprung des Kuckucksuhrenlaufs

Ihr sucht noch weitere Informationen zum Format? Dann würde ich euch auf unsere Podcast Folge oder den Blogbeitrag zum privaten Winter-Kuckucksuhrenlauf verweisen 😉

📌 Infobox: TSV Katzwang 05

  • Der Verein: Der TSV Katzwang 05 e.V. ist ein traditionsreicher Sportverein im Süden von Nürnberg (Stadtteil Katzwang), der ein breit gefächertes Breitensport- und Wettkampfangebot bereitstellt.
  • Unterstützung vor Ort: Für die Ausrichtung des MBUT stellte der Verein unkompliziert den Nebenplatz sowie Vereins-Pavillons zur Verfügung. Ein ganz besonderer Dank gebührt hierbei Herrn Kaden und Herrn Welsch, ohne deren Unterstützung die Umsetzung in diesem familiären Rahmen kaum möglich gewesen wäre.

Hansi mäht mit einem blauen Rasenmäher die hohe Wiese vor aufgebauten Event-Pavillons
Gartenarbeit muss sein

Der Startschuss: Schwüle Hitze und das Ticken der Kuckucksuhr

Kurz vor dem Start durfte ich meinen Ehrengast Peter vom Laufend Entdecken Podcast in die Arme schließen. Es ist mein absoluter Lieblingspodcast. Flo hatte zu meinem Geburtstag heimlich alles eingefädelt und Fahrkarten gekauft, um Peter aus Wien nach Nürnberg zu holen. WOW! Danke dir, lieber Flo, für diese geniale Idee und die Umsetzung!

Das Wetter meinte es von Beginn an spannend: Die Wolken hingen dunkel und tief, die Luftfeuchtigkeit war drückend hoch und die Temperaturen blieben erstaunlich sommerlich. Schwül und absolut nicht ohne! Drei Runden konnten wir immerhin im Trockenen laufen – abgesehen von dem Umstand, dass jedem von uns der Schweiß bereits nach der ersten Runde in Bächen hinunterlief. Es sollten wahrlich nicht die letzten Wassermassen an diesem Tag bleiben. Nach jeder Runde hieß es: trockenes Shirt anziehen und die Bekleidungstaschen wild durchwühlen.

Das unerbittliche Taktmaß des Tages gab eine Kuckucksuhr vor, die uns zu jeder vollen Stunde wieder an die Startlinie trieb. Schon jetzt hatten einige Läuferinnen und Läufer spürbar mit dem feuchten Klima und der Strecke zu kämpfen. Das Wetter war Pech, aber die Trailstrecke mit ihren gut 90 % Singletrail-Anteil war von uns bewusst als echter Rhythmusbrecher gewählt worden. Ob es die härteste Backyard-Strecke im Jahr 2021 war, weiß ich nicht – eine der schwierigsten war sie aber ganz sicher.

Thorsten steht neben einer Informationstafel mit dem Plakat und der Rundentabelle des Backyard Ultra
Die Rundentabelle, in welche sich jeder immer eintragen musste

📌 Infobox: Der „Laufend Entdecken Podcast“ & Gast Peter

  • Der Podcast: Laufend Entdecken ist einer der bekanntesten deutschsprachigen Lauf-Podcasts aus Österreich, moderiert von den beiden Enthusiasten Peter und Florian. Der Podcast begleitet Läuferinnen und Läufer mit tiefgründigen, humorvollen und ehrlichen Einblicken durch den Laufalltag.
  • Die Geburtstagsüberraschung: Als treuer Hörer des Podcasts bekam Thorsten von seinem Freund Flo ein ganz besonderes Geschenk: Flo fädelte den Besuch von Peter aus Wien heimlich ein und besorgte die Bahntickets, um ihn als Ehrengast nach Nürnberg zum MBUT zu holen.

Traditionelle Kuckucksuhr aus Holz mit geschnitzten Blättern und einem Vogel, aufgebaut auf einem Holztisch im Freien
Besagter Vogel…

Die Schlammschlacht: Wenn der Himmel die Schleusen öffnet

Zwischen Runde 3 und 4 brach ein gewaltiges Unwetter mit extremem Starkregen über uns herein. Dieses Naturereignis ließ das Feld schlagartig schrumpfen: Über die Hälfte der Starterinnen und Starter musste die Segel streichen, sodass nur noch 9 Läufer auf der Strecke blieben (leider war zu diesem Zeitpunkt keine Frau mehr im Rennen).

Runde 4 wurde zu einer reinen Schlacht gegen plötzlich auftretende Bäche, tief vermatschte Wege und beachtlich tiefe Pfützen. Es war ein gewaltiger Kraftakt, der an den Reserven jedes Einzelnen zehrte. Während wir durch den Schlamm pflügten, heulten im Hintergrund ununterbrochen die Feuerwehrsirenen: Keller liefen voll, Gullydeckel wurden zu Geysiren – und wir liefen einfach weiter. Genau diese 9 Typen: Vorneweg Marc und Sascha in einem gewaltigen Tempo, dahinter 7 Läufer, die stetig bei ca. 47 bis 50 Minuten ins Ziel kamen.

Als der Regen schließlich nachließ, blieb der tiefe Matsch zurück. Die Schuhe wogen gefühlt eine Tonne. Wer es noch nicht selbst erlebt hat, kann sich nur schwer vorstellen, wie Laufschuhe nach so vielen Stunden in Schlamm und Wasser riechen können – ein Raubtierhaus ist erfrischend dagegen!

Flo stellt mit einem Stück Brot im Mund eine Kuckucksuhr ein, die unter einem bunten Regenschirm montiert ist
Flo bei der Präparierung unseres liebsten Teammitglieds

📌 Infobox: Trail-Verhältnisse bei Extremwetter & Schlamm

  • Physikalische Belastung: Tiefer Matsch und aufgeweichter Singletrail-Boden erhöhen die Muskelarbeit in der Fuß- und Wadenmuskulatur drastisch. Durch das ständige Rutschen müssen Stabilisierungsfeinmuskeln extrem viel Ausgleichsarbeit leisten, was den Energieverbrauch pro Kilometer massiv ansteigen lässt.
  • Grip & Schuhwerk: Auf durchnässtem Trailboden stoßen gewöhnliche Straßenschuhe sofort an ihre Grenzen. Erforderlich sind Trailschuhe mit tiefen Stollen (mindestens 4–5 mm) und einer selbstreinigenden Profilanordnung, um ein Verstopfen des Profils mit Lehm zu verhindern.

Starkregen über einer Wiese: Zwei Personen stehen unter einem großen Schirm, eine streckt jubelnd die Arme aus
Regen wir lieben dich

Das Finale: Zähes Beißen, Hingabe und verdienter Sieg

Der Feldzug gegen die Müdigkeit und die Elemente forderte Tribut: Der liebe Ingo stieg nach Runde 8 aus. Marc, Peter und ich beendeten unseren Lauf nach Runde 9 (63,08 km), während Flo noch die Runde 10 vollendete. Das Feld lichtete sich rasend schnell. Hansi gab mit einem guten Gefühl nach Runde 12 auf, sodass die letzten drei Läufer die Nacht alleine durchbrachen.

Sascha musste seinem Knie zuliebe nach 15 Runden vernünftigerweise aussteigen und überließ Michael nach 16 absolvierten Runden den verdienten Sieg. Das Faszination daran: Michael wollte ursprünglich nur 2 bis 3 Runden laufen, hatte sich erst direkt vor dem Start das Format noch einmal erklären lassen und zog dann trotz aller widrigen Umstände mit einem unheimlich effizienten Laufstil und purer Freude Runde um Runde durch. Herzlichen Glückwunsch zu dieser grandiosen Leistung! 107 Kilometer auf dieser Strecke und bei diesen Bedingungen sind ein echtes Wort.

Beleuchteter Verpflegungsstand bei Nacht: Läufer stehen mit Stirnlampen unter einem Sonnenschirm im Dunkeln
Ja, es kann bei dichter Bewölkung verdammt dunkel werden

Persönliches Fazit

Hätte ich am Ende noch mehr Runden leisten können? Ja. Hätte ich es entspannt und gesund gekonnt? Nein. Ich bereue meine Entscheidung, nach 9 Runden aufzuhören, nicht eine Sekunde. Es war fordernd, hat unheimlich viel Spaß gemacht und ließ mich mit einem tiefen, dankbaren Gefühl zurück. Vielleicht fehlt mir mittlerweile unter bestimmten Umständen der verbissene Wettkampfbiss – aber dafür gewinne ich von Tag zu Tag mehr Freude an der reinen Bewegung und den wunderbaren MENSCHEN und Begleitumständen solcher Herzensprojekte. Läuferisch gesehen werde ich also vielleicht langsam alt – aber verdammt glücklich!

Euer Thorsten

Michael lächelt im Backyard-Ultra-Laufshirt mit Stirnlampe auf einer Wiese und hält seine Preise in den Händen
Der liebe Michael sieht immer noch erstaunlich frisch aus – Hut ab

PS: Peter musste mitten in der Nacht selbstverständlich nicht auf der feuchten Wiese schlafen. Ein warmes Bett und ein paar leckere fränkische Biere waren ihm bei mir zu Hause sicher. Dir noch einmal vielen herzlichen Dank für die lange Anreise mit der Bahn aus Wien! Die Gespräche vor, während und nach dem Lauf waren schlicht unbezahlbar.

PPS: Ein kurzes Video zum MBUT findet ihr auf YouTube

Lächelnder Thorsten mit Brille, buntem Cappy und T-Shirt mit Aufdruck „Laufend Entdecken“ vor einem Getreidefeld
Die Stimmung war gut – was an so unglaublich vielen wunderbaren Menschen lag

STRAVA

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