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König Ludwig I. und sein Kanal – durch die Winterlandschaft am Ludwig-Donau-Main-Kanal

  • Samstag, 10. Januar 2026
  • 45,6 km + 100 hm
  • 5 h 20 min
  • Zielweg: Neumarkt nach Nürnberg

DONAU UND MAIN
FÜR DIE SCHIFF-FAHRT VERBUNDEN,
EIN WERK VON CARL DEM GROSSEN VERSUCHT,
DURCH LUDWIG I KOENIG VON BAYERN
NEU BEGONNEN UND VOLLENDET
MDCCCXLVI.

Der Alte Kanal

Es fängt schon mit der Namensgebung. Unter Alter Kanal verstehen die Menschen im Nürnberger Süden den von König Ludwig I. in Auftrag gegebenen Kanal, welcher die Donau mit dem Main verband und der im Gegensatz zum neueren Main-Donau-Kanal (welcher gleich ums Eck liegt) nicht mehr im Betrieb ist. Offiziell spricht man vom Ludwigskanal oder noch genauer vom Ludwig-Donau-Main-Kanal. Soweit so gut.
Diese zwei Flüsse miteinander zu verbinden, ist keine Idee der Neuzeit, sondern wurde schon, leider erfolglos, von Karl dem Großen mit dem Karlsgraben versucht zu realisieren, konnte aber dann erst im 19. Jhd. erfolgreich technisch umgesetzt werden, denn die baulichen Hürden waren selbst im vorletzten Jahrhundert beträchtlich.
172 km von Kelheim bis Bamberg. 100 Schleusen für 264 Meter Höhenunterschied. 3000 bis 9000 Arbeitskräfte gleichzeitig. Bauzeit von 1836 bis 1846 – und 1950 schon wieder aufgelassen und nur noch im Abschnitt Beilngries-Nürnberg erhalten, nachdem die Eisenbahn die Binnenschifffahrt schon Ende des 19. Jhd. schnell immer stärker unter Druck gesetzt hatte und die größeren Schiffe, welche auf der Donau und dem Main verkehrten, den Kanal nicht benutzen konnten. Schon zur Wende des 19. Jhd. zum 20. Jhd. hin wurde der Kanal mehr als Freizeit- und Touristikattraktion gesehen, denn als Wirtschaftsfaktor. Zurück bleibt bis heute ein Naherholungsgebiet, welches unter Denkmalschutz steht. Ideal für das Morgenspaziergang Team!

Vorabgedanken

Die grundsätzliche Idee für diesen Lauf bestand schon länger, allerdings war die gemeinsame Terminfindung wieder einmal ein schwieriges Unterfangen – was für eine Überraschung. Deshalb suchten wir uns – so kommt es uns rückblickend etwas vor – so ein richtig schwieriges Wetter raus, um es abzurunden: Schnee und Eis. Ein Hoch auf die Muskulatur, die das immer mindestens ganz leichte Rutschen ausgleichen muss.
Im Rahmen der Vorbereitung auf meinen Hauptwettkampf in 2026, meinem im übertragenen Sinne „Mount Everest“, war dieser Lauf zeitlich sehr gut aufgehoben. Einzig Beilngries-Nürnberg war zum einem zeitlich unpassend, da dies die Streckenlänge deutlich erhöht hätte, zum anderen wäre die Anreise komplizierter geworden, da keine Bahnanbindung vorhanden ist. Also rein in den Zug und ab nach Neumarkt!

Hanis und Thorsten am Alten Kanal bei Neumarkt
Von ein wenig Schnee lässt man sich doch nicht abschrecken

Ein Läufchen in Ehren kann niemand verwehren

Es ist kalt. Man kann es drehen und wenden, wie man will. Umso weiter wir uns von Nürnberg in Richtung Neumarkt entfernen, umso mehr Schnee liegt, umso weiter sinkt das Thermometer.

Wir laufen vom Bahnhof direkt zum Kanal im Ort und starten unsere Reise. Die Schleusen sind nummeriert und die Kilometerangaben beziehen sich auf den traditionellen Verlauf von Kelheim nach Bamberg, d.h. wir laufen den Kanal in numerisch aufsteigender Richtung. Erstaunlich schnellen Schrittes geht es los, allerdings verlassen wir am Anfang hin und wieder den Kanal, um laufbarere Wege vorzufinden – nicht ganz korrekt, aber der Freude und dem Erlebnis tut es keinen Abbruch, weil wir die markanten Punkte vollständig mitnehmen, die Infotafeln studieren und trotzdem zügiger als erwartet vorwärts kommen. Beeindruckend ist, wie die Schleusen technisch umgesetzt wurden. Beim neuen Kanal wird mit Ausgleichsbecken gearbeitet, was hier noch nicht der Fall war, weshalb der Wasserzufuhr eine besondere Bedeutung zukam. An diesen Schleusen wird auch das weiter oben genannte Problem der Schiffsgröße sichtbar. Hier konnten nur schmale Boote, gezogen von Tieren, die auf den Treidelwegen links und rechts liefen (unseren Laufwegen auf dieser Tour), die über 170 km lange Strecke zurücklegen und damit nur begrenzte Mengen an Güter transportieren, was im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung nicht mehr ausreichend war. Schleuse 33, bei Einheimischen ist vor allem die Schleuse 35 für das dort befindliche Ausflugslokal (mit Biergarten!) bekannt und liegt nur ganz kurz danach in der Nähe der S-Bahn, befindet sich erst bei km 85,8, also nach mehr als der Hälfte des Kanals bei Burgthann. Die gleichnamige Burg können wir nur aus der Ferne sehen. Bis zum Endpunkt unserer Reise passieren wir nun in kürzeren Abständen die Schleusen, passieren immer mehr Durchstiche, Kanalbrücken, Dämme und erleben, mit wie viel Aufwand hier die hügelige Landschaft schiffbar gemacht wurde. Dabei wird der Schnee weniger und weicht vereinzelten Eisflächen – es bleibt aber erstaunlich gut machbar. Die Schleuser, welche zur Bedienung der Schleusen unerlässlich waren, wohnten direkt am Kanal in den sogenannten Schleusenwärterhäusern, von denen es 69 gab (ob noch alle existieren, entzieht sich meiner Kenntnis). Aufgrund der Dichte an Schleusen und dem Erhaltungszustand des Kanals auf unserem Abschnitt, können wir noch mehrere dieser Häuser bewundern. Heutzutage scheinen sie häufig gut sanierte Wohnhäuser zu sein, die einen ganz besonderen Charme versprühen – könnte ich mir auch gut vorstellen.

Um eine möglichst kurze Streckenführung zu ermöglichen, wurden auch an verschiedenen Stellen Dämme und Durchstiche (von denen wir zwei besonders enge und tiefe durchlaufen. Achtung: nicht mehr auf beiden Seiten nutzbar) umgesetzt. Landschaftlich beeindruckend sind auf unserem Weg folgende zwei Dämme:
Der Distellochdamm bei Kilometer 84 mit seinen etwas geheimnisvollen Entwässerungsstollen und den zahlreichen Obstbäumen am Hang, gefolgt vom Mühlbachdamm bei Kilometer 87, der einen breiten für Menschen nutzbaren und früher als Verkehrsweg genutzten Durchlass bietet.

Ein besonderer Höhepunkt ist der sogenannte Brückkanal. Ursprünglich wurde der Kanal zehnmal über Trogbrücken geführt. Besonders eindrucksvoll und noch immer voll erhalten ist eine solche in der Nähe von Feucht bei der Überspannung der Schwarzach. Dieser liegt zwischen den Schleusen 59 und 60 und ist eine der letzten zwei erhaltenen, noch wasserführenden Brücken (die zweite überspannt unweit dieser den Gauchsbach). Architektonisch galt dies aufgrund der geologischen Besonderheiten als große Herausforderungen. Die noch größeren Brücken über die Pegnitz und die Wiesent sind nicht mehr erhalten. Den berühmten Gasthof (ebenfalls mit Biergarten) lassen wir auch hier links liegen und nehmen den letzten Abschnitt unserer Reise in Angriff.

Der Ludwigskanal führt uns nun in kurzen Abschnitten über Röthenbach bei Sankt WolfgangWendelstein und Worzeldorf in unsere Geburtsstadt Nürnberg. Nach Schleuse 72 (km 108,2) verschwindet das Wasser des Kanals in einem Überlaufbauwerk und einem Rohr, das zum westlich gelegenen Main-Donau-Kanal führt. Wir befinden uns hier am Rande der Gartenstadt in unmittelbarer Nähe zum neuen Kanal. Das Kanalbett wurde ab hier mit Erde aufgeschüttet, die heute von Gras bedeckt ist. Kanalweg und Schleusen sind hier noch einige hundert Meter zu erkennen, bevor sich ihre Spuren verlieren.

Glücklich und zufrieden geht es nun in eine Bäckerei, um die leeren Mägen zu füllen und die trockenen Kehlen zu benetzen. Wir haben heute viel gesehen, viel gequatscht und nicht einmal das Gefühl gehabt uns zu langweilen.

Euer Thorsten

Ausklang in der Bäckerei